Sie befördert die Postsendungen möglicherweise nicht mehr in der Kutsche (obwohl ganz sicher bin ich nicht) sonst hat sich aber seit der Zeiten des Kaisers nicht viel verändert.

Natürlich bin ich selbst schuld. Ich bin nämlich umgezogen und habe somit meine Adresse geändert. Das ist im alten guten Österreich unanständig und ich muss Konsequenzen tragen. Zu meiner Verteidigung kann ich aber sagen, dass ich nicht freiwillig umgezogen bin. Unsere Frau Landesrätin hat nämlich beschlossen, dass unseres Krankenhaus, oder genauer gesagt unsere Abteilung, überflüssig ist und es notwendig sei, diese zu schließen. Das nächste Krankenhaus ist doch nur lächerliche 70 Kilometer entfernt und bei ein bisschen Glück (natürlich darf auf der Strecke Murau-Judenburg zu keinem Unfall kommen, was dort leider ziemlich oft passiert) kann ein Rettungswagen diese Entfernung in einer Stunde und 15 Minuten zurücklegen.

Also wechselte ich unfreiwillig und arbeite jetzt im Krankenhaus Wagna in der Südsteiermark. Mein Hauptwohnsitz ist damit nicht mehr Stolzalpe, sondern Gössendorf südlich von Graz.

Weil ich ein ordentlicher Bürger bin, ging ich vor meinem Umzug zur Post in Murau, gab meine neue Adresse ein und unterschrieb einen Nachsendungsvertrag für drei Monate, in denen die Post für eine Gebühr von 11,90 Euro meine Postsendungen von der alten auf die neue Adresse umleitet. Die Probleme begannen aber bereits bei der Angabe meiner neuen Adresse. Der Computer war nicht bereit zu akzeptieren, dass ich in Gössendorf leben will. Als die Postbeamtin unsere Postleitzahl eingegeben hatte, erschien ihr automatisch als Ort Hausmannstätten. Dort haben wir nämlich unser Postamt. Weil ich jedoch befürchtet habe, dass es auch in Hausmannstätten eine Schulstraße gibt (- später stellte sich  heraus, dass meine Befürchtungen unbegründet waren  denn es gibt in Hausmannstätten nur eine „Schulgasse“), weigerte ich mich mit aller Kraft, dass es so bleibt.

„Schauen Sie,“ sagte ich. „Wir dürfen das nicht so lassen. Sonst kommt meine Post nach Hausmannstätten und dort wohne ich nicht.“

„Das ist kein Problem,“ meinte die Beamtin. „Wir kriegen die Post dann wieder zurück.“

„Was werden Sie dann tun?“

„Das ist doch klar,“ erklärte sie mir. „Wie werden die Sendung dem Absender als unzustellbar zurückschicken.“

„Das ist aber, glaube ich, nicht der Sinn unseres Vertrages, für den ich Ihnen 12 Euro bezahlt habe. Ich will meine Post erhalten.“

„Das wird wahrscheinlich nicht gehen,“ sagte sie mir. „Ich kann nichts dafür, mir schreibt es der Computer so vor und das kann man nicht ändern. So ist halt das Programm.“

Ich glaubte zuerst, ich wäre in einem falschen Film, zum Schluss brachte ich sie aber fast gewaltsam – ich bin sogar hinter den Schalter gegangen – dazu, dass sie zumindest zu dem Namen der Strasse den Namen der Ortschaft, also Gössendorf hinzugefügt hat.

Es scheint, dass die Masnahme erfolgreich war, meine Post kommt an. Ich war nur überrascht, dass auch die Sendungen, die mir die Post selbst schickt, an die alte Adresse geschickt und dann umgeleitet werden. Ich ging also zu meiner neuen Post in Hausmannstätten, um auf diese Ungereihmheit aufmerksam zu machen.

„Aber was wollen Sie?“ sagte mir die Beamtin in dieser neuen Filiale überrascht. „Sie haben doch einen Nachsendungsauftrag und so bekommen sie doch alles zugestellt.“

„Den Vertrag habe ich nur für drei Monate,“ sagte ich ihr, „Was passiert danach?“

„Sie wollen, dass Ihnen die Post auch danach zugestellt wird?“ wunderte sie sich.

„Ich möchte, dass sie mir auf Dauer zugestellt wird. Ich dachte, wenn ich meine Adresse bei der Post in Murau geändert habe, dass es auch im System geändert worden ist und die Österreichische Post weißt jetzt also, dass ich wo anders wohne.“

„Das stellen Sie sich aber viel zu einfach vor,“ sagte mir die Dame. „Die Post, das ist ein sehr kompliziertes System, lieber Herr. Sie müssen an die schreiben, die Ihnen die Sendungen schicken, damit sie ihnen ihre Sendungen an die neue Adresse senden können.“

„Eben,“ sagte ich. „Der Absender ist Österreichische Post und deshalb bin ich hier, also in einer Postfiliale um das zu ändern.“

„Das können wir aber nicht,“ belehrte sie mich. „Das müssen Sie im Internet tun.“

„Das habe ich bereits probiert, aber es geht mir nicht. Vielleicht tue ich etwas falsch und vielleicht können sie mir dabei helfen.“

Die Dame trat wirklich in Internet ein, sogar auf die gleiche Seite, mit der ich Tag davor vergeblich gekämpft hatte. „Es geht nicht,“ meldete sie mir dann. „Aber machen Sie sich keine Sorgen, sie werden die Post doch noch ganze drei Monate bekommen.“

„Und danach?“ wollte ich wissen.

„Danach natürlich nicht mehr,“ antwortete sie ruhig. „Aber die Menschen werden Sie am Ende trotzdem finden. Denn wenn ihre Sendungen zurückkommen, werden Sie nach Ihrer neuen Adresse forschen.“

Resigniert habe ich das Postgebäude verlassen. Ich verstand, dass man nichts machen konnte, weil die Post nicht im Stande war meine Adresse zu ändern.

Bald danach entstand mir aber ein neues Problem. Eingeschriebene Sendungen müssen nämlich von der Post persönlich abgeholt werden. Der Postmann kommt vormittags um 11 Uhr, wirft meistens nur die Nachricht über die Sendung in den Postkasten und verschwindet.

Auf dem Gemeindeamt in Gössendorf gibt es eine Dienststelle der Post, wo man die Postsendungen abholen könnte. Es ist kaum hundert Meter von meinem Haus, die Damen dort sind sehr lieb und hilfsbereit. Ich bin also davon ausgegangen, dass es sich um eine Art Dienst für den Kunden handelt, damit er nicht bis nach etwa 3 Kilometer entfernte Hausmannstätten gehen muss. Ich gebe zu, ich war naiv, als ich es dachte. Das Gemeindeamt hat nämlich von acht Uhr in der Früh bis drei viertel vier offen, natürlich mit einer Mittagspause zwischen zwölf und halb drei. Ich bin aber mit meiner Arbeit in Wagna um drei fertig, dann gibt es Dienstübergabe, bis ich mich umgezogen habe, ist es Viertel nach drei und ich brauche 35 Minuten Autofahrt, um das Gemeindeamt in Gössendorf zu erreichen. Also fahre ich zwischen 3:50 und 3:55 am  Amt vorbei, was gerade um fünf bis zehn Minuten zu spät ist um meine Sendungen abzuholen.   Auf meinem Weg nach Hause fahre ich aber an dem Postamt in Hausmannstätten vorbei, das bis 18 Uhr offen hat. Naiv wie ich warte kam mir der Gedanke, dass die Post meine Sendungen nicht weiter nach Gössendorf leiten müsste. Wenn sie sie ganz einfach in Hausmannstätten liegen lässt könnte ich sie von dort abholen. Ich äußerte diesen Wunsch auf der Post, leider erfolglos:

„Dafür sind wir nicht zuständig,“ sagte mir die Beamtin. „Das wird von Zustellungsbasis bestimmt.“

„Ist das weit?“ fragte ich. „Könnte ich nicht hingehen?“

„Niemand darf dort hingehen,“ antwortete sie mir empört. „Ich gebe Ihnen aber die Telefonnummer, versuchen Sie sich mit Ihnen dort verständigen.“

Ich habe es versucht.

„Das geht doch nicht,“ sagte mir eine Dame am Telefon. „Sie wohnen in Gössendorf, das steht hier klar geschrieben, sie müssen also Ihre Sendungen vom Gemeindeamt abholen.“

„Ich schaffe es aber nicht,“ widersprach ich. „Ich fahre an dem Gemeindeamt immer fünf Minuten zu spät vorbei. Auf der Post in Hausmannstätten würde ich das aber problemlos schaffen. Ich fahre ohnehin täglich an der Post dort vorbei.“

„Wie stellen Sie sich das vor?“ empörte sich die Dame auf dem anderen Ende der Telefonleitung. „Was würden dazu Ihre Nachbaren sagen?“

„Das verstehe ich nicht,“ wandte ich ein. „Warum sollte meine Nachbaren interessieren, wo ich meine Post abhole?“

„Das glauben Sie nur,“ belehrte sie mich. „Leute erfahren alles. Dann würde jeder wollen, dass wir ihm die Sendungen bei der Post lassen und wir würden hier ein Kuddel-Muddel haben.“

„Ich glaube, dass der Kunde seine Post dort abholen dürfte, wo es ihm passt,“ versuchte ich noch widersprechen.

„Mein lieber Herr!“ sagte sie mit erhobener Stimme. „HIER GEHT ES DOCH GAR NICHT UM DEN KUNDEN! HIER GEHT ES UM DIE ORDNUNG!“

Ich habe endlich kappiert wie groß mein Irrtum war. Wenn es gar nicht um den Kunden geht, habe ich natürlich keine Chance.

„Ich schaffe es aber wirklich nicht die Post abzuholen,“ sagte ich.

„Das Gemeindeamt ist doch schon in der Früh offen,“ belehrte sie mich.

„Ja, ab acht, ich fahre aber bereits viertel nach sechs fort und  komme knapp vor vier zurück und deshalb kann ich meine Post nicht abholen.“

„Wenn Sie sie nicht abholen, wird sie von Gössendorf an uns zurückgeschickt,“ sagte sie. Ich spürte einen Funken Hoffnung. „Dann könnte ich sie von Ihnen abholen?“

„Wie stellen Sie sich das vor?“ wunderte sie sich. „Wir haben doch unsere Vorschriften. Nicht abgeholte Sendungen sind wir verpflichtet an den Absender zurückzuschicken.“

„Also habe ich keine Chance an meine Post zu kommen.“

„Sprechen Sie mit dem Bürgermeister,“ beriet sie mich. „Er würde villeicht die Arbeitszeit verlängern.“

„Das glauben Sie wirklich?“ wunderte ich mich über ihre Naivität.

„Das glaube ich natürlich nicht,“ sagte sie ruhig. „Probieren könnten Sie es aber. Es bleibt Ihnen ohnehin nichts anderes übrig.“

Wahrscheinlich wirklich nicht. Selbstverständlich habe ich noch eine Möglichkeit, nämlich immer, wenn eine eingeschriebene Sendung kommen würde, Urlaub zu nehmen. Also, ich bitte euch, wenn Sie mir etwas schicken wollen, dann nicht eingeschrieben. Sonst kann Ihre Sendung als unzustellbar zurückkommen. So viel Urlaub habe ich nicht.

In der Kaiserszeiten wäre es mir wahrscheinlich ähnlich gleich gegangen.

Zumindest hoffe ich so.                  ?

 

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