Für den Kreuzfahrerstaat hatten die vor zwei Wochen beschriebene Häfen, also Jaffa und Caesarea, keine strategische Bedeutung. Diese hatte die Stadt Akko im nördlichen Abschnitt der Bucht von Haifa. Die Kreuzfahrer haben diese Festung im Jahr 1104 kampflos übernommen. Akko wurde zum Haupthafen des Königreiches von Jerusalem, bis es im Jahr 1187 von Saladin erobert wurde. Die Hauptaufgabe des dritten Kreuzzuges war eben die Eroberung dieser Stadt. Dieser Kreuzzug wurde von Richard Löwenherz von England und Philip August von Frankreich angeführt. Diese zwei Herren mochten sich nicht unbedingt, es blieb ihnen aber nichts anderes übrig, als zähneknirschend Seite an Seite zu kämpfen. (Nach der Eroberung Akkos redete sich der französische König auf familiäre Probleme aus, er reiste ab und ließ den Engländer im Heiligen Land allein). Richard war sehr eitel und das brachte ihm Unglück. Als die Kreuzritter die Stadt im Jahr 1191 nach einer zweijährigen Belagerung eingenommen haben, hingen die Anführer ihre Fahnen auf die Mauer der eroberten Stadt.

Der österreichische Herzog Leopold V. (der die Reste des deutschen Kontingentes führte, das sich nach dem Tod von Friedrich Barbarossas mehr oder weniger aufgelöst und bei der Belagerung von Akko nur eine untergeordnete Rolle gespielt hatte) erlaubte sich, seine Fahne mit goldenen Adlern im blauen Feld (heute ist es der Wappen von Niederösterreich) neben den drei englischen Löwen aufhängen. Richard fühlte sich dadurch beleidigt, letztendlich war Leopold NUR ein Herzog und er ließ die österreichische Fahne in den Graben werfen. Leopold verließ tiefst beleidigt den Kreuzzug und wartete, wann der Engländer nach Hause reiten würde. Er hatte Erfolg. Richard nahm in seinem Hochmut den Weg über Österreich. Leopold nahm ihn fest, sperrte ihn in der Burg Dürnstein in der Wachau ein und verlangte von Richards Bruder Johann Ohneland ein gigantisches Lösegeld. Weil es aber Johann in England ohne den herrschsüchtigen Bruder viel besser ging als mit ihm, konnte der liebe Leopold auf das Geld lange warten.

               Letztendlich verkaufte er den wertvollen Gefangenen Kaiser Heinrich VI., der das Lösegeld irgendwie doch zu erpressen vermochte und für das Geld dann eine Armee aufstellte, mit der er das Sizilianische Königreich für sich gewinnen konnte. Leopold V. wurde vom Papst wegen eines Angriffs auf einen Kreuzfahrer mit päpstlichem Bann belegt (vierzig Jahre später wird Papst Gregor IX. selbst einen Kreuzfahrer – Friedrich II.  – angreifen und sein Land verwüsten)und starb kurz danach tragisch nach einem Sturz vom Pferd bei einem Turnier in Graz. Berühmt blieb er trotzdem, die derzeitige österreichische Fahne beruft sich gerade auf ihn und seinen Kampf um Akko. Angeblich kämpfte hier Leopold so tapfer, dass sein ganzer Mantel mit Blut der Feinde verschmiert war, nur in der Mitte, wo er einen breiten Gürtel trug, blieb dieser weiß. Wer will, darf es glauben, seitdem haben Österreicher ihre rot-weiß-rote Fahne. Weil Richard Jerusalem nicht zurückzuerobern vermochte, machte er Akko zur neuen Hauptstadt des Königreiches und diese blieb hier (mit einer kurzen fünfzehnjährigen Unterbrechung nach dem fünften Kreuzzug) bis zum Untergang dieses Staates.

Festung der Johanitten mit der Kirche des Johannes des Täufers

               Akko blieb christlich bis zum Jahr 1291, als auch diese Stadt in moslemische Hände fiel. Damit ging die Zeit des Königreiches von Jerusalem definitiv zu Ende. Im Jahr 1517 eroberte Sultan Selim I.  Akko mit ganz Palästina und vierhundert Jahre wehte dann über die Festung von Akko eine Fahne mit türkischem Halbmond. Im Jahr 1799 stand vor der Stadt niemand anderer als Napoleon Bonaparte höchstpersönlich, der versuchte, sich nach der Vernichtung seiner Flotte bei Abukir durch Admiral Nelson einen freien Weg aus der ägyptischen Falle auf dem Festland freizukämpfen. Bei Akko fand seine Bemühung sein jähes Ende. Der Emir Achmed Pascha, genannt nicht ohne Grund „el Jezzar“ also „Schlächter“, konnte die Stadt erfolgreich verteidigen und Napoleon musste  verbittert zurück nach Ägypten ziehen, woher er dann heimlich nach Frankreich floh und seine Soldaten ihrem Schicksal überließ. Als eine Erinnerung an die französische Belagerung der Stadt gibt es bei Akko den „Napoleon Hill“ und hier werden erbeutete französische Kanonen ausgestellt – ein Schönheitsfehler liegt in der Tatsache, dass diese Kanonen für die Türken in Belgien im Jahr 1841 gegossen wurden. Das stört aber natürlich nur so einen Silbenstecher, wie ich einer bin.

               Das Wahrzeichen der Stadt ist die „El Jezzar Moschee“,

aber vor allem die Festung der Johanniter. Die Ritter des Ordens Johannes des Täufers wurden in der Folge des Friedenvertrages zwischen Friedrich II. und Sultan Al Kamil mit der Verwaltung des Königreiches von Jerusalem beauftragt. Friedrich II. war ein nomineller König von Jerusalem (er heiratete die Erbin des Königreiches Isabella II., die er angeblich noch in der Hochzeitnacht mit ihrer Cousine betrug. Isabella starb bereits im Jahr 1228 im Alter von 16 Jahren bei der Geburt ihres zweiten!!! Kindes an Kindbettfieber). Friedrich ließ sich in Jerusalem in der Grabeskirche sogar feierlich krönen, in keinem Fall war er aber bereit, in Palästina zu bleiben. Es kehrte nach Italien zurück und die Johanniter übernahmen das Kommando. Ihre Festung war monumental, auch die heutigen Ruinen sind atemberaubend. Hohe gotische Säle, vor allem der Speisesaal, sollten die Pilger beeindrucken. Christliche Pilger gingen in Akko an Land. Sie mussten zuerst zu den Johannitern gehen, wo sie registriert, gepflegt, gefuttert und abkassiert wurden. In der Mitte der Festung gibt es einen großen Innenhof, wo sich die Ritter im Umgang mit der Waffe übten.

Die Ausbildung eines Ordensmitglieds dauerte sieben Jahre, die ersten vier lernten die Ritter Medizin, weitere drei Jahre den Kampf. Johanniter entstanden ursprünglich als ein Spitalsorden, der sich um kranke und verletzte Pilger kümmern sollte. Später sind sie darauf gekommen, dass es besser war, die Pilger vor Überfällen und damit verbundenen Verletzungen zu schützen, als ihnen dann ihre Wunden zu behandeln. Es war also, wenn man will, eine erste Form der Präventivmedizin. Die Festung von Akko diente noch in den britischen Zeiten als Gefängnis für israelische illegale Widerstandkämpfer. Angeblich versuchten die Gefangenen nach dem Vorbild des Grafen Monte Christo einen Fluchttunnel zu graben und sie stürzten in die vergessenen und teilweise verschütteten johannitischen Säle. Briten fingen an, die Ausgrabungen an diesem Ort archäologisch zu untersuchen. Heute sind sie wirklich imposant.

               Zum Hafen von Akko kann man aus der Stadt durch einen 350 Meter langen Templertunnel kommen.

Er wurde im Jahr 1994 bei Reparatur einer Wasserleitung zufällig entdeckt. Es war eigentlich ein Abflussgraben, der zugleich als Fluchtweg diente und am 18. Mai 1291 nutzten ihn die besiegten Ritter, um sich vor den siegreichen Mameluken zu retten. Den Templern half es nur für kurze Zeit. Am Freitag 13.Oktober 1307 vernichtete ihren Orden der französische König Philipp IV. der Schöne. Der Deutsche Ritterorden, der für seine Verdienste von Kaiser Friedrich II. eine neue Wirkstätte an der baltischen Küste fand, existiert bis heute.  Johanniter konnten sich ebenfalls retten (sie übersiedelten zuerst nach Rhodos und dann nach Malta und existieren bis heute als Malteserritter, obwohl sie für eine bestimmte Zeit nach der Einnahme von Malta durch Napoleon aufgelöst wurden). Ein Spaziergang auf den Mauern von Akko ist beeindruckend, sowie auch die Karawanserei mit einem hohen Turm mit türkischen Symbolen.

Von den Mauern der Stadt kann man Haifa sehen, den Israels größten Hafen.

               Man sagt, im heutigen Israel: „in Haifa wird gearbeitet, in Jerusalem wird gebetet und in Tel Aviv wird gelebt.“ Haifa ist also das Kernstück der israelischen Wirtschaft.

               Haifa war neben Akko nur ein bedeutungsloses Fischerdorf, bis seine Lage Briten schätzen konnten und daraus einen Zentralhafen machten. Einer der Gründe, warum Briten im Jahr 1917 ein Mandat über Palästina übernahmen, war das Erdöl. Kuwait war schon seit 1899 ein „Selbständiges Emirat unter britischem Schutz“, jetzt bildeten die Briten noch ein sinnloses irakisches Königreich, um einen einzigen und dazu von ihnen vollständig abhängigen Partner zu haben. Sie zogen die Pipeline durch den Irak und beendeten sie mit einem Terminal in Haifa. Sie ersparten sich dadurch einen langen und anstrengenden Weg durch Persischen Golf, die Straße von Hormuz, um das gefährliche Horn von Afrika und durch den Suezkanal. Auch heute ist in Haifa ein riesiger Erdölterminal, die Stadt wird durch die Industriezone, die zentral liegt, zweitgeteilt.

In Haifa gäbe es nicht viel zu sehen, wäre hier nicht ein Sohn des Propheten einer neuen Religion Bahái begraben. Diese Religion, die sich um eine friedlich Vereinigung aller monotheistischen Religionen bemüht, ist in Israel offiziell anerkannt. In Haifa steht am Fuße des Berges Karmel das Mausoleum Babas, des Sohnes Baha-u-lahs, des Propheten dieser Religion. Der persische Garten, der um das Mausoleum angelegt ist, ist einfach unglaublich schön.

               Besuchswert ist auch die ehemalige deutsche Kolonie, die deutsche Siedler während des zweiten Weltkrieges räumen mussten. Über den Türen der Häuser gibt es auch heute noch deutsche Aufschriften, meistens Verse aus der Bibel.

               Wenn man schon einmal in Haifa ist, muss man den Berg Karmel besuchen. Und nicht nur wegen einer wunderschönen Aussicht über die Stadt, die dann einem zu Füßen liegt. Der Berg Karmel spielt im Alten Testament eine wichtige Rolle, weil hier der Prophet Elias lebte, der wahrscheinlich am meisten geschätzte Prophet des Alten Testaments.

Die Höhle, wo Prophet Euas leben sollte

Über die Höhle, in der er angeblich lebte, steht die Kirche der Jungfrau Maria, die – wie anders? – dem Orden der Karmeliter gehört. Es ist der einzige Orden, der im Heiligen Land gegründet wurde und zwar im Jahr 1150 genau an diesem Ort. Elias stritt auf diesem Berg mit den heidnischen Priestern über die Echtheit ihres und seines Gottes und bot einen Versuch an:

               Da sagte Elias zum Volk: Ich allein bin als Prophet des Herrn übrig geblieben: die Propheten des Baal aber sind vierhundertfünfzig. Man gebe uns zwei Stiere. Sie sollen sich einen auswählen, ihn zerteilen und auf das Holz legen, aber kein Feuer anzünden. Ich werde den anderen zubereiten, auf das Holz legen und kein Feuer anzünden. Dann sollt ihr den Namen eures Gottes anrufen und ich werde den Namen des Herrn anrufen. Der Gott, der mit Feuer antwortet, ist der wahre Gott.“ (Das erste Buch der Könige 18, 22-24)            

               Natürlich entflammte das Holz unter dem Opfer des Elias – es ist möglich, dass der Prophet bereits damals den Trick mit der Linse kannte, es war letztendlich ein sonniger Tag und Elias wartete taktisch richtig auf Mittag, wenn der Sonnenschein am stärksten war.

               Elias ist der einzige der Propheten, der nicht starb, sondern direkt in einem Feuerwagen in den Himmel aufgenommen wurde, das passierte allerdings am Fluss Jordan unweit von Jericho und das Gebiet an der Staatsgrenze am Fluss Jordan ist trotz des Friedensabkommens zwischen Israel und Jordanien für einen normalen Sterblichen nicht leicht zugänglich.

               In Haifa können wir unseren Ausflug zur israelischen Küste beenden. Askalon im Süden ist nicht interessant und Gaza schon überhaupt nicht. Gaza sollte nach einem internationalen Wirtschaftplan zum größten Hafen in der Region ausgebaut werden, zur Hauptumlagestelle für den ganzen Nahen Osten. Dieser Plan, den die UNO sowie auch Privatinvestoren mit vielen Milliarden Dollar finanzieren wollten, hätte den Palästinensern den Wohlstand gebracht. Dann übernahm aber Hamas die Macht im Gazastreifen…   

               Den nächsten Besuch gestatten wir Galiläa, dem Ort der Tätigkeit Christi, wo sich die meisten christlichen Pilgerorte befinden.                Also sollten Sie Zeit und Lust haben….

Haifa Mausoleum

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