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Triest

 

Österreicher werden immer bei Erwähnung dieser Stadt von einer bestimmten Melancholie erfasst. Sie haben zu diesem Hafen in der nördlichen Adria eine starke emotionale Beziehung, es ist irgendwie eine nostalgische Erinnerung an die Zeiten, als Österreich noch groß und mächtig war. Kein anderer Landverlust (nicht einmal Südtirol) tut ihnen so weh, wie der Verlust von Triest mit seiner Umgebung.

Triest gehört also zu einem Pflichtprogramm jedes österreichischen Bürgers, diese Stadt mit den Schlössern Miramare und Duino nicht zu besuchen, ist einfach ein unverzeihliches Defizit der Grundbildung und ein Handicap in jeder anständigen Gesellschaft. Dass ich mich dazu nur nach beinahe zwanzig Jahren Aufenthalte in Österreich durchgerungen habe, hatte seine Ursache in erster Linie darin, dass Kollege Köck aus Murau über Triest immer nur Oden gesungen hat, niemals aber Zeit hatte, mit mir hinzufahren, wenn ich die Zeit gehabt hätte.

Also entschieden wir uns mit meiner Frau nicht mehr auf ihn zu warten und ohne den Neurologen (und Psychiater in einer Person) allein nach Triest zu fahren. Durch Depressionen waren wir nämlich im regnerischen Österreich stärker als wo anders gefährdet und so fand ich die Idee meiner Frau, nach Süden der Sonne entgegen zu fahren, absolut richtig. Ich hatte zwar vor, noch viel südlicher nach Perugia oder in die Toskana zu fahren, sie hat mich allerdings direkt hinter der italienischen Grenze gestoppt. Sie hatte recht, die Sonne war dort und blieb hier auch während unseres ganzen Aufenthaltes.

Triest (italienisch Trieste, tschechisch Terst, slowenisch Trst – die Slowenen sind Weltmeister in Bildung der Wörter ohne Selbstlaute, der absolute Höhepunkt ist das slowenische Wort für Frühstück „zajtrk“ – versuchen sie es ohne Zungenverletzung auszusprechen! Hier können den Slowenen vielleicht nur die Tschechen mit dem Satz „Strč prst skrz krk“ – „Stecke deinen Finder in den Hals“ – das Wasser reichen) wurde von den Römern im Jahr 178 vor Christus unter dem Namen Tergeste gegründet. Aus der römischen Epoche blieben Reste des römischen Theaters, das Lapidarium in der Stadtfestung und der Arco Ricardo – Überreste eines der Stadttore – erhalten.

Die Stadt erreichte nie eine vergleichbare Bedeutung wie ihr mächtiger Nachbar Aquiliea und nach der Vernichtung dieser Stadt durch Attilas Hunnen übernahm die führende Rolle in der nördlichen Adria das neu gegründete  Venedig – Triest kam wieder zu kurz. Hintereinander herrschten hier die Goten, Byzantiner, Langobarden, im Jahr 1202 nahm dann Venedig die Stadt ein. Venedig, das zwei Jahre später unter der Führung seines genialen blinden Dogen Enrico Dandolo mit Hilfe eines Kreuzzuges sogar die Macht Konstantinopels gebrochen hat. Triest mit einem Großteil der Halbinsel Istrien wurde ein Teil der venezianischen Ferra Terma. Die Stadt wollte aber nicht für immer und ewig ein zweitrangiger Hafen in der Republik des Heiligen Marcus bleiben.

Die Sternstunde von Triest kam im Jahr 1382, als die Stadt die Herrschaft und den Schutz der Habsburger angenommen hat. Durch den Seitenwechsel zu den Habsburgern – obwohl damals die Stadträte noch nicht ahnen konnten, wie weit es diese Familie bringen würde – wurde die positive Entwicklung eingeläutet. Im Jahr 1382 spielten nämlich die Habsburger, geteilt in zwei Linien neben den allmächtigen Luxemburgern nur die zweite Geige und zusätzlich lag zwischen ihren Ländern und Triest die Grafschaft Gorizia/Görz. Trotzdem wurde die Stadt nach diesem Machtwechsel zu einer direkten Konkurrenz zu Venedig – und eine solche ist sie auch bis heute geblieben. Der große Vorteil des Hafens ist, dass er sehr tiefes Wasser hat – dank seiner steilen Küste – und deshalb hier auch Schiffe mit Tiefgang anlegen können. Und so, während Venedig von einer Weltmacht zu einer touristischen Attraktion mutierte, ist Triest auch heutzutage der Hauptterminal für Tanker mit Erdölladung für Italien, Österreich und Deutschland. Gigantische Kreuzfahrtschiffe können direkt an der Piazza l´Unita d´Italia anlegen, was ein wirklich imposantes Bild bietet.

Unter der Herrschaft der Habsburger entstand ein großes Imperium und Triest erkannte, dass es auf das richtige Pferd gesetzt hatte. Bis zum Jahr 1918 war es der Handel- und Hauptkriegshafen der Monarchie und Sitz der Admiralität. Im Jahr 1500 fiel auch die Grafschaft Gorizia an die Habsburger und damit gewann Triest auch das wirtschaftlich notwendige Hinterland. Dem Reichtum der Stadt stand nichts mehr im Weg.

Die Stadt selbst ist nicht zu groß, sie hat heute um 200 000 Einwohner – und im grund hat sie keine weiteren Wachstumsmöglichkeiten. Dank der steilen Küste sind die Gebäude der Stadt auf mehreren Hügeln zerstreut, der Besuch von Triest ist konditionell eine ziemlich anstrengende Angelegenheit und für einen Menschen knapp nach einer Knieoperation (also für mich) nicht gerade die beste Wahl für einen Urlaub.

Die Stadt wird vom Hügel Cole di San Giusto mit der Zitadelle dominiert, mit einer Festung aus den habsburgischen Zeiten und mit einer riesigen romanischen Kathedrale, die dem lokalen Heiligen, dem heiligen Justus, gewidmet ist. Dieser war Bischof in Aquileia in der Zeiten der Christenverfolgung durch Kaiser Diokletian.  Er wurde mit Gewichten aus Stein an den Füßen und Händen ins Meer geworfen, seine Leiche wurde aber an die Küste bei Triest gespült. Hier wurde er auch begraben und bis heute wird er als Patron der Stadt verehrt (sein Feiertag ist am 2.November). Seine Kathedrale ist eine monumentale fünfschiffige Basilika, die nicht nur durch ihre Größe und durch korinthische Säulen, die das Gewölbe tragen, beeindruckt. Ihre innere Ausstattung ist ziemlich inhomogen, sie reicht von einem modernen Mosaik in dem Hauptschiff über alte Mosaiken aus dem 12. bzw 13. Jahrhundert bis zu Fresken  aus dem dreizehntem Jahrhundert. Die Kathedrale wirkt eigenartig asymmetrisch, die Bögen des Kreuzschiffes sind links bedeutend kleiner als rechts, die Seitenschiffe haben unterschiedliche Größe. Dieses Rätsel wird gelöst, wenn man die Kathedrale von oben betrachtet, also von den Mauern der Zitadelle. Dann sieht man, dass die Kathedrale aus zwei nebeneinander stehenden Kirchen entstanden ist, die in das neue Gebäude einfach übernommen und eingemauert worden sind – es waren die Kirchen St. Giusto und St. Maria Maggiore. Dieses architektonische Verbrechen wurde irgendwann im vierzehnten Jahrhundert begangen. Also nach der wohlbekannten italienischen Methode, dass nichts abgerissen wird. Erstens – es ist schade, zweitens – es ist viel zu viel Arbeit und drittens – die bereits stehende Bausubstanz kann man immer noch verwenden. Man muss nur flexibel und kreativ sein – mit einem Wort, einfach ein Chaot. Diese Eigenschaft besitzen die Italiener in einer ausreichenden Masse.

Der Eingang in die Basilika ist übrigens aus römischen Grabsteinen gebaut – das war im Mittelalter immer ein sehr begehrtes Baumaterial und die Triestiner konnten offensichtlich der Versuchung auch nicht widerstehen.

Von Cole di San  Giusto kann man zum Hafen und zum Hauptplatz Piazza l´Unita d´Italia hinabsteigen. Laut Triestiner ist dieser Platz der größte Italiens, aber auf diese Ehre erhebt auch der Platz Pratto della Valle in Padua und einige weitere Anspruch – in Italien ist einfach nichts unumstritten. Viel schöner als der Hauptplatz mit dem Rathaus ist aber der Borgo Teresiano – derjenige Stadtteil, den nach einem einheitlichen Plan (in Italien etwas Unerhörtes!) im achtzehnten Jahrhundert Maria Theresia bauen ließ – nicht umsonst wird Triest manchmal „das kleine Wien“ genannt. Schnurgerade breite Straßen um den Canal Grande, voller Cafés, Bars und Restaurants erinnern wirklich an die Donaumetropole.

Eine Erinnerung an die Donaumonarchie ist auch die Firma Illy, eine der bekanntesten Produzenten von Kaffemaschinen, die noch immer ihren Hauptsitz in der „Zona industriale“ in Triest hat. Francesco (eigentlich Ferenz) Illy war ein Offizier der ungarischen Kavallerie gewesen, bevor er sich in Triest niederließ und das Prinzip der Hochdruckkaffemaschine erfand. Es geschah zwar im Jahr 1933, als Triest bereits zu Italien gehörte, aber die ungarischen Wurzeln der Firma sind wohl bekannt. Übrigens ist das nicht die einzige Erinnerung an die Donaumonarchie in dieser Region – in der Umgebung von Görz wird die Tokairebe angebaut, obwohl die Weinerzeugung anders als in Ungarn ist – einfach italienisch. Die Familie Illy ist eine der einflussreichsten Familien in der Region, der Enkelsohn des Gründers der Firma, Riccardo, wurde gleich zweimal (1993 und 1997) zum Bürgermeister von Triest gewählt und es wäre auch das dritte (oder sogar das vierte) Mal geschehen, wenn es in Italien nicht verboten wäre. Übrigens ist Riccardo Illy auch seit 1999 Träger des Großen goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich – ob seiner politischen Verdiensten oder des guten Kaffees wegen sei dem Leser freigestellt.

Triest erlebte den Höhepunkt seiner Blüte im neunzehnten Jahrhundert. Es war damals das Kulturzentrum, hier lebte und wirkte James Joyce (nach ihm heißt eine von vielen Treppen, die Hügel der Stadt verbinden und gleich nebenan gibt es die Scala Dublino, offensichtlich  aus dem gleichen Grund). Auch Sigmund Freud lebte hier und in dem nahen Schloss Duino in den Jahren 1912 – 1913 auch Rainer Maria Rilke. In Triest wurden zwei Oper von Verdi uraufgeführt (Der Korsar und Stifelio).

Als gerade in Triest am 30. Juni 1914 das Schiff mit den körperlichen Überresten des Erzherzogs Franz Ferdinand d´Este anlegte, war das ein Vorzeichen des Niederganges der Stadt. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Triest mit seiner ganzen Umgebung an Italien angegliedert, nach dem zweiten Weltkrieg erhob aber Jugoslawien seine Ansprüche auf dieses gemischtnationale Gebiet. Im Jahr 1947 wurden letztendlich drei Zonen A, B und C gebildet, davon entfielen die Zonen B und C an Jugoslawien  und Tito teilte sie zwischen seinen zwei Kindern, Kroatien und Slowenien, auf. Istrien wurde Kroatien zugesprochen und die Küste zwischen Triest und Umag in der Länge von 27 km erhielt Slowenien. Dass Tito dabei vergaß, auch das Meer in der Bucht aufzuteilen, sorgt bis heute für Konflikte zwischen diesen beiden Ländern. Triest blieb bis 1954 eine freie Stadt unter internationaler Kontrolle und danach kehrte es nach Italien zurück. Mehrsprachig blieb es aber weiterhin, alle Aufschriften sind hier italienisch sowie auch slowenisch. Weil wir zu unfreiwilligen Zeugen der Diensteinteilung in unserem Hotel wurden, erfuhren wir auf diese Art, dass das Personal ausschließlich slowenisch war.  Um die Sauberkeit unserer Zimmer sorgten also Zlatica, Dragica, Milica usw. und sie machten das hervorragend. Vice versa ist an der slowenischen Küste alles italienisch beschrieben und die Kellner in Piran oder Portorož sprachen fließend italienisch. Die slowenischen Städte besitzen übrigens auf Italienisch wohlklingende Namen – Koper ist Capo di Istria und Portorož heißt sogar romantisch Portorosa.

Zu Triest gehört natürlich auch seine Umgebung. Triest zu besuchen und nicht zum Schloss Miramare einen Abstecher zu machen ist einfach undenkbar.

Es ist ein zauberhaftes Schlösschen, das sich der Konteradmiral und Kommandant der österreichischen Kriegsmarine Erzherzog Maximilian in den Jahren 1856 – 1860 bauen ließ. Wenn das Erdgeschoß eine luxuriöse bürgerliche Wohnung ist, so ist dann das Obergeschoß ein Beweis, wie der Ruhm einem den Verstand rauben kann. Das Obergeschoß ließ der Erzherzog nämlich nach seiner Krönung zum Kaiser von Mexiko ausstatten und hier gibt es Prunkräume mit Portraits aller damaligen Herrscher von Kaiser Napoleon III., der Maximilian zu diesem tödlichen Abenteuer in Mexiko angestiftet hat, bis zum brasilianischen Kaiser Pedro II. Im Obergeschoß gibt es auch die Wohnung von Prinz Amadeus, Herzog von Aosta,(Duke d´Aosta) der Vizekönig  im italienischen Ostafrika war und nach dem das beste Hotel in Triest direkt im Stadtzentrum benannt ist.

Nur ein bisschen weiter steht ein romantisches Schloss Duino (slowenisch Devin, also Mädchenburg), das dem Geschlecht Thurn und Taxis gehört.

Es ragt hoch über den See empor und bietet damit wunderschöne Aussichten über die ganze nordadriatische Küste. In Duino gibt es ein Museum, das die Tätigkeiten berühmter Persönlichkeiten im Schloss erläutert. Wie ich bereits erwähnte, waren hier Rainer Maria Rilke oder die griechische Prinzesin Maria Bonaparte (die Enkelin von Napoleons Bruder Lucien) tätig. Maria Bonaparte war zuerst eine Patientin, später dann eine Freundin von Sigmund Freud, der ihre Frigidität erfolglos behandelt hat. Sie kaufte den alten Herrn aus der nazistischen Gefangenschaft frei, damit er in Ruhe in London sterben konnte (Außer ihm wurde seine ganze Familie umgebracht, sogar seine neunzigjährige Schwester wurde in Auschwitz vergast)

Natürlich muss man auch Grotta Gigante besuchen, eine riesige Naturhöhle mit einer Höhe von über 100 Metern, die in der Guinness Buch der Rekorde als die größte Hölle aufscheint und die man mit einer Führung (Englisch oder Italienisch) besuchen kann.

Triest ist also für jemanden, der in Österreich lebt, ein kulturelles Pflichtprogramm, allerdings keinesfalls uninteressant. Möglicherweise fahre ich noch einmal hin, wenn in Österreich wieder einmal regnerisches Wetter meine Psyche beeinträchtigt. Während unseres Aufenthaltes sind trotz Dauerregen in Österreich hier nur ein paar Regentropfen vom Himmel gefallen und der Sonnenuntergang, von Cole di San  Giusto beobachtet, war einfach atemberaubend.

Modena

Natürlich kennen wir Aceto Balsamico de Modena und wenn man weiß, dass Luciano Pavarotti in Modena geboren worden ist, kann man sich vorstellen, dass das Essen in dieser Stadt eine ähnlich zentrale Rolle spielt wie in dem nahen Parma. Balsamico unterscheidet sich übrigens durch den Preis, der durch die Reifungszeit bestimmt wird. Die übliche ist ein Jahr alt, aber es gibt auch hundert Jahre altes Balsamico, ich konnte meinen Augen nicht trauen, wenn ich den Preis von 289,90 Euro für 68 Gramm dieses Wunders, also 1 Gramm für 4 Euro sah. Eine lokale Spezialität neben einer Menge Teiggerichte, die mit allen möglichen Zutaten gefüllt sind, sogar auch mit süßem Kürbis, ist Zampone, gefüllter Schweinefuß, der mit pikanten Bohnen und Kartoffelbrei serviert wird. Er ist mit Fett übergossen, schmeckt aber wunderbar, wenn es Pavarotti gern gegessen hätte, dann wundert mich weder sein Gewicht noch der Pankreaskrebs, an dem er starb.

Außen Zampone sind die lokale Spezialität Tortellini und Tortelloni (die sind größer) mit unterschiedlichsten Füllungen, frisch kann man sie am Markt Mercato Albinelli direkt im Stadtzentrum kaufen. Der Lokalwein Lambrusco ist nicht wirklich mein Lieblingswein, er muss (eigentlich für Rotwein ganz unüblich) gekühlt getrunken werden und ist prickelnd. Ein wenig also ein Proseccoeffekt, die etwas schlechtere Qualität wird durch bestimmte Tricks kompensiert. Also langer Rede kurzer Sinn – Lambrusco ist ein roter Prosecco. (Jetzt würde ein Italiener, besonders ein in Modena geborener, einen Krampfanfall kriegen, also, bitte,  diesen Artikel keinem solchen zeigen) Aber Lambrusco gehört zu Modena und Pavarotti war sicher auch nicht abgeneigt, ihn zu trinken. Und wie konnte er danach singen! Also, wenn man schon in Modena ist, gehört Lambrusco zum Pflichtprogramm.

Modena liegt an der Via Emilia, einer Straße, sie älter ist als 2000 Jahre – auch heute geht diese Straße direkt mitten durch das Stadtzentrum. Im Jahr 43 vor Christus, als die Stadt noch Mutina hieß, wurde sie zum Schauplatz einer der entscheidenden Schlachten des römischen Bürgerkrieges. Der Anführer der Demokraten und Attentäter, die Caesar umgebracht hatten, Marcus Iunius Brutus, hat sich hier gegen Marcus Antonius verschanzt und leistete vier Monate lang Widerstand, bis ihm eine Ersatzarmee unter Führung der beiden Konsuln, unterstützt durch eine Privatarmee des damals neunzehnjährigen Oktavianus, des späteren Kaisers Augustus, zur Hilfe kam. Marcus Antonius erlitt eine niederschmetternde Niederlage, Oktavianus schaffte es aber während der Schlacht, beide Konsuls zu beseitigen, die beide unter rätselhaften Umständen das Leben verloren haben (einen von ihnen, der verletzt war, soll Oktavianus eigenhändig umgebracht haben). Danach übernahm er das Kommando über die Armee und anschließend die Macht über Rom. Er einigte sich mit Marcus Antonius, gemeinsam haben die zwei eine Proskriptionsliste erstellt von Menschen, die am bestens getan hätten nicht zu existieren (unter ihnen war Oktavians Verbündete Marcus Iunius Brutus an erster Stelle, Marcus Antonius schrieb dann eigenhändig Cicero, den Tutor und Beschützer Oktavians in die Liste ein, der ihm mit seinen moralisierenden Reden wahnsinnig auf die Nerven gegangen war) und die Geschichte nahm ihren Lauf, an dessen Ende die Gründung des römischen Kaisertums stand.

Danach lebte aber Mutina, das inzwischen zu Modena wurde, ein ruhiges Leben. In der Zeit des Kampfes des Kaisers mit dem Papst stellte es sich lauwarm auf die kaiserliche Seite und nach Aussterben der Staufen im Jahr 1288 übernahm die Familie d´Este aus Ferrara die Macht über die Stadt. Die d´Estes  blieben hier mit einer kurzen Unterbrechung in den Jahren 1308 – 1336 bis zum Jahr 1796, als sie aus der Stadt von Napoleon vertrieben wurde. Sollte euch der Name der Familie bekannt vorkommen, dann natürlich deshalb, weil das letzte Mitglied dieser Familie, der reichste Mensch im ganzen damaligen Italien, seinen ganzen Besitz dem österreichischem Thronfolger Franz Ferdinand, der dann später im Jahr 1914 in Sarajevo erschossen wurde, vermacht hatte. Eine der Bedingungen für die Übernahme der Erbschaft und Nutzung des Namens d´Este war, dass Franz Ferdinand Italienisch beherrschen müsste. Das hat der sprachlich absolut unbegabte Herzog trotz mehrerer vergeblicher Versuche nicht geschafft, den Besitz der Familie hat er trotzdem behalten. Den Namen natürlich auch. Im Jahr 1598 wurde Modena zur Hauptstadt des Herzogtums (d´Este verloren in diesem Jahr Ferarra) und es begann die Blüte der Stadt, von der man die Spuren noch heute auf jedem Schritt sieht.

Der Dom aber, das zentrale Gebäude der Stadt, entstand bereits lange vor der Machtübernahme der Familie d´Este. Der Bau wurde im Jahr der Eroberung von Jerusalem während des ersten Kreuzzuges im Jahr 1099 begonnen und der lombardische Baumeister Lafranco schuf die schönste rein romanische Kirche in Italien, obwohl der Bau erst im Jahr 1322 beendet wurde. Die Dekoration der Fassade ist ein Werk von zwei berühmten Bildhauer der damaligen Zeit Willigelmus, von dem die Reliefs auf der Fassade stammen, die biblische Themen darstellen und Anselmo da Campione, der ein wunderschönes „Letztes Abendmahl“ auf der Brüstung der Apsis schuf. Der Patron der Kathedrale und der Stadt ist der heilige Geminiano, ein ehemaliger Bischof von Modena, der hier wahrscheinlich im Jahre 397 starb. Seine sterblichen Überreste sind eine heilige Reliquie.

Der Glockenturm und derzeit ein Aussichtsturm Girlandina sind ebenso wie der Dom mit prächtigen Marmorplatten verkleidet und wurde gemeinsam mit Dom in die Liste der Weltkulturerbe UNESCO  aufgenommen. Auf die Aussichtsterasse gelangt man nach 191 Stufen, es gibt aber einen Haken, eigentlich zwei. Erstens wird auf den Turm immer nur eine bestimmte Zahl Besucher gelassen, also man kann einige Zeit vor dem Turm warten müssen, zweitens sind die Fenster auf der Aussichtsterasse vergittert, die Photos kann man also nur durch kleine Löcher in vier der Fenster machen. Aber mit ein bisschen guten Willens – es geht.

Mit dem Bau von des Palazzo ducale, also der Residenz der Familie d´Este, wurde im Jahr 1634 begonnen, heutzutage ist hier eine Militärakademie angesiedelt und deshalb ist er nicht der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Kultursammlungen der Familie d´Este sind riesig, wie alle andere italienische Herzogsfamilien (Gonzaga, Farnese) waren auch d´Este leidenschaftliche Sammler und die Ergebnisse ihrer Aktivitäten sind im riesigen Gebäude „Palazzo dei Musei“ untergebracht. Römische Ausgrabungen, die Bilder der italienischen Meister und eine riesige Bibliothek. Ein kombiniertes Eintrittsticket gilt für alle Museen außen der Bibliothek, also ein ähnliches System wie in Parma. Fragen Sie mich nicht, warum es so ist.

Aber Modena, das ist Ferrari. Und Ferrari ist in Italien ein absoluter Kult. Enzo Ferrari (1898 – 1988) war in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein erfolgreicher Autorennfahrer. Nachdem er seine Kariere beendet hatte, wurde zum Verkäufer der Firma Alfa Romeo und gleichzeitig gründete er eine Automobilgesellschaft Scuderia Ferrari, so etwas wie derzeitige Rennställe, wo er in Rennautos Motoren von Alfa Romeo montierte. Er feierte mit diesem Rennstall beträchtliche Erfolge, besonders solange für seinen Rennstall der „fliegende Mantuaner“ Tazio Nuvolari fuhr. Später zerstritten sich die beiden und Nuvolari wechselte zur Konkurrenz bei Maserati. Aber gerade die „Gebrüder Maserati,(es gab sechs Brüder Maserati und fünf davon haben die Autofirma gegründet),  die vor dem zweiten Weltkrieg die Produktion aus Bologna nach Modena verlegt hatten, entschieden sich im Jahr 1945 nach Bologna zurückzukehren (die Zentrale der Firma blieb aber in Modena). Enzo nutzte das technische und menschliche Potenzial, das Maserati in Maranello zurückgelassen hatte, und gründete eine eigene Autofabrik. Das erste Auto mit dem Emblem des springenden Pferdes verließ den Fließband 1947. (Also im Jahr 2017 feierte Ferrari 70 Jahre seiner Produktion). Im Jahr 1951 gewann Ferrari den ersten Großen Preis in Silverstone in Großbritannien und ein Jahr später feierte Alberto Ascari mit dem Ferarriwagen den ersten Weltmeistertitel und im folgenden Jahr konnte er den Titel sogar verteidigen. Seitdem gewann der Rennstall Scuderia Ferrari 15 Weltmeistertitel und 16 Konstruktärenweltmeistertitel. Nur Michael Schumacher gewann in den Jahren 2000 – 2004 in der Farben Ferrari fünf Meistertitel nacheinander. Ferrari ist in Italien gleicher Kult wie Fußball und ein Italiener, der kein Fan von Ferrari ist, ist kein Italiener. Er kann – absolut ausnahmeweise – sogar einen Deutschen wie Michael Schumacher oder Sebastian Vettel mögen. Die Italiener haben sogar Niki Lauda geliebt und das war schon eine ordentliche Leistung, Lauda war kein wirklicher Sympathieträger. Momentan sind allerdings die  Italiender durch die Dominanz der Marke Mercedes frustriert, heuer funkt aber schon die Hoffnung auf bessere Zeiten.  Enzo Ferrari starb im Jahr 1988 im Alter von 90 Jahren, im Jahr 2002 brachte die Firma ein Model Enzo auf den Markt, um ihrem Gründer die entsprechende Ehre zu erweisen.

Ferrari Museen sind in Modena und in Maranello, wo die Autos produziert werden. Maranello ist von Modena ca. 15 Kilometer entfernt. Es ist möglich, ein kombiniertes Ticket zu kaufen (für 26 Euro) und es gibt auch einen Transportdienst zwischen den zwei Standorten. Aber auch das Museum in Modena allein ist sehenswert. Es ist nicht besonders groß, aber das Erlebnis mit Multimediaprojektionen und Musik ist sehr intensiv. Der Autor des Museums in Modena war der tschechischer Architekt Jan Kaplicky. Was gut für Ferrari war, war nicht gut genug für Prag. Die Durchführung seines Projektes der Nationalbibliothek aus dem Jahr 2007 wollte der damalige tschechische Präsident Vaclav Klaus mit eigenem Körpereinsatz verhindern. Der Bürgermeister Behm unterstütze zwar anfangs das Projekt, letztendlich zog er sich aber unter dem Druck aus der eigenen Partei zurück und das Projekt wurde nie realisiert. Im Jahr 2008 lehnte Kaplicky, dessen Werke in der ganzen Welt stehen, nur nicht in seiner Heimat, eine Auszeichnung des tschechischen Kulturministeriums ab. Ein Jahr später starb er.

Also Modena. Eine Stadt mit einer sehr guten strategischen Lage fürs Kennenlernen der Provinz Emilia Romagna, es ist von hier nicht weit nach Bologna, Parma, Mantova, sogar Verona und Ferrara sind nicht wirklich unerreichbar weit entfernt.

Das einzige Problem, das man allerding grundsätzlich in jeder italienischen Stadt haben könnte  – am Wochenende ist es ohne Reservierung fast unmöglich, einen Platz in einem Restaurant zu finden, um Torteloni, Zampone oder Lambrusco zu kosten. Achtung! In der ganzen Altstadt gibt es keinen Supermarkt, lediglich einige Geschäfte mit Obst und Gemüse und vereinzelt Delikatessenladen. Wahrscheinlich ist das ein Ergebnis des Druckes der Lobby der Restaurants, Tratorien, Osterien und übrigen Esseneinrichtungen.

Von Durst stirbt man in Modena sicher nicht – Bars gibt es auf jedem Schritt und Tritt, der Hunger ist aber nicht ausgeschlossen. Wir hatten Glück, eroberten wir doch in der Trattoria Accademica die letzten zwei freien Plätze. Und wir konnten das legendäre Zampone genießen. Es ist aber sicher von Vorteil, einen Platz voraus zu reservieren.

Ein großer Vorteil von Modena ist das Parken. Direkt im Stadtzentrum, angelegt an die historische  Altstadt, gibt es ein riesiges unterirdisches Parkhaus „Parcheggio del Centro“ unter dem großem Park „Novi Sad“ mit akzeptablen Parkgebühren 90, Cent pro Stunde und 12 Euro für den ganzen Tag. Einen Parkplatz zu finden ist hier überhaupt kein Problem. Und zum Unterschied zum  Parkhaus Goito in Parma ist hier die Einfahrt breit und bequem.

Also, sollten Sie sich für einen Besuch der Provinz Emilia Romagna entschieden haben, ist Modena ein optimaler Ausgangspunkt.

Parma

Natürlich, wenn man Parma sagt, stellt man sich sofort Prosciutto und Parmesan vor. Auf dieser Tatsache hat sich nicht einmal durch die Affäre der Firma Parmalat, deren Konkurs der größte finanzielle Skandal des modernen Italien war, etwas geändert. Parma schmückt sich mit der höchsten Lebensqualität in Italien und hat hier auch die Europäische Agentur für Sicherheit der Lebensmittel ihren Sitz.  Wo sonst?

Parma, das ist natürlich auch die Musik und Guiseppe Verdi, geboren in La Roncole in der parmesanischen Provinz, auf den die Parmesaner sehr stolz sind – Verdi wird von den Italiener für den größten Komponist aller Zeiten gehalten, größer als Mozart oder Beethoven, Dvořák oder Smetana muss man nicht einmal erwähnen. In Parma findet jedes Jahr im September ein Verdi Festival statt. Teatro Regio ist ein geeigneter Ort für die Aufführung von den Verdis Opern, dieses Theater im neoklasistischen Stil wurde im Jahr 1829 gebaut und mit einem Werk von Vincenzo Bellini eröffnet – Verdi war damals gerade 16 Jahre alt. Und dann gab es auch noch den genialen Geigenspieler Niccolo Paganini. Dieser wirkte in Parma vier Jahre lang (1835 – 1839) als Direktor des Hoforchesters, bis er aus gesundheitlichen Gründen nach Nizza abreiste, wo er dann starb. Vergessen darf man auch den berühmten Dirigenten Toscanini nicht, der in Parma sogar in seinem Geburtshaus ein Museum hat.

Gutes Essen und schöne Musik, das ist eine herrliche Kombination.

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Einmal ist aber Parma nur ganz knapp seiner Zerstörung entkommen. Im Jahr 1248 erreichte der Konflikt zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Innozenz IV. seinen Höhepunkt. Der Papst flüchtete aus Italien, wo er sich nicht mehr sicher gefühlt hatte, nach Lyon nahe der damaligen französischen Grenze. Der französische König Ludwig IX., der später heilig gesprochen wurde, ließ ihn nämlich nicht sein Land betreten. Der König wollte keinen Streit mit dem Kaiser, besonders da er sich zu dieser Zeit selbst auf einem Kreuzzug in Ägypten befand.  Der Kaiser fühlte sich nach dem Sieg in der Schlacht bei Cortenuovo über die Mailänder stark genug, um den Papst endlich nach Italien zu holen und ihn zu Gehorsam zu zwingen. Der Weg war vorbereitet, in Turin schloss sich dem Kaiser der Herzog von Savoyen an, (die Tochter des Herzogs war mit dem unehelichen Sohn des Kaisers Manfred verheiratet) der bereits die Pässe über die Alpen für den  Feldzug gesichert hatte. Dem Papst ging es an den Kragen. Aber gerade im Moment, in dem die kaiserlichen Truppen Turin in Richtung Norden verlassen hatten, gelang es der Partei der Guelfen in Parma mit Hilfe der päpstlichen Söldnern die Macht an sich zu reisen und vom Kaiser abzufallen. Der Kaiser ließ sich durch Emotionen hinreißen – er brach den Feldzug nach Lyon ab, zog mit dem ganzen Heer nach Parma und begann die Belagerung der Stadt. Er war außer sich vor Wut und wollte die Stadt definitiv von der Erdoberfläche verschwinden lassen. Weil Parma an keinem großen Fluss liegt (durch die Stadt fließ das Flüsschen Parma) war diese strategische Absicht auch realisierbar und der Kaiser ließ bereits in der Nähe der Stadt eine neue Stadt bauen – vorerst aus Holz – eine Stadt mit dem Namen Viktoria, die ein Denkmal an seinen Sieg über die Aufständische sein und die zerstörte Parma ersetzen sollte. Als die Bürgen von Parma, die bereits am Verhungern waren, zum Kaiser kamen und die Unterwerfung und Buße versprachen, verweigerte der Kaiser ihre Kapitulation. Er erklärte den Boten, dass er die ganze Bevölkerung an Hunger sterben lassen oder alle niedermetzeln würde, allerdings sei  er nicht bereit mit ihnen zu verhandeln. Das war der größte Fehler, den der sonst sehr fähiger Herrscher begangen hat. Die Emotionen sind keine guten Ratgeber und die Verzweiflung gibt den Menschen Kraft. Die Parmesaner entschieden sich alles auf eine Karte zu setzen, weil sie ohnehin keine andere Alternative hatten. Sie nutzten den Moment, als der Kaiser mit seiner Garde auf einer Jagd war und machten einen Ausfall. Dabei ist es ihnen gelungen, die Stadt Viktoria zu vernichten und die kaiserlichen Truppen zu zerschlagen. Im Kampf starben Minister und Generäle des Kaisers wie z.B. sein Kanzler Thaddeus de Soussa. Es war die größte militärische Niederlage des Kaisers und er erholte sich nie mehr davon. Als die Bolognesen danach seinen unehelichen Sohn und den besten seiner Heerführer Enzio gefangen genommen haben, war die Tragödie der kaiserlichen Macht in Italien besiegelt. Der Kaiser starb im Jahr 1250, sein Sohn Konrad vier Jahre später. Sein unehelicher Sohn Manfred, der sich mit dem Titel des sizilianischen Königs zufrieden gab, wurde von den französischen Rittern in der Schlacht von Benevento im Jahr 1266 getötet und zwei Jahre später ließ Karl von Anjou den letzten Staufer, den Sohn des Kaisers Konrad und Enkelsohn des Friedrich II. Konradin in Neapel hinrichten. Die kaiserliche Macht in Italien wurde definitiv zu Vergangenheit, ein schwacher Versuch des Heinrichs VII. um ihre Wiederherstellung in Jahren 1311 – 1313 endete mit dem Tod des Kaisers vor Siena.

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Also das Schicksal entschied sich wirklich in dem  denkwürdigen Jahr 1248 vor Parma und hier wurde die Zukunft Italiens entschieden, nämlich die Zukunft der von der kaiserlichen Macht unabhängigen Kommunen. Im anschließenden Kampf der Kommunen spielte Parma keine wesentliche Rolle, bereits im vierzehnten Jahrhundert fiel es unter die Herrschaft der Familie Visconti und danach der Sforza aus Mailand. Als aber Mailand von den französischen Truppen des Königs Ludwig XII. eingenommen und der Herrscher von Mailand Ludovico Sforza vertrieben worden war, verband sich Papst Julius II mit Kaiser Maximilian und mit Venedig zur sg. Heiliger Liga. Zur entscheidenden Schlacht kam es im Jahr 1511 bei Ravenna. Die Heilige Liga wurde zwar besiegt, aber der französische Kommandant Gaston de Foix fand in der Schlacht den Tod (in Mailand, im Castello Sforzesco, kann man sein prächtiges Grabmal bewundern). Ohne ihn konnte sich Ludwig XII. in Mailand nicht halten und die Heilige Liga teilte sich die Beute, wobei auch der Verbündete des französischen Königs, der Herzog von Ferrara, ordentlich zur Kassa gebeten worden ist. Julius II. sicherte im Jahr 1512 für den Päpstlichen Staat den Gewinn von Parma, Piacenza und Modena. Das nutzte einer seiner Nachfolger, Papst Paul III. (mit eigenem Namen Alessandro Farnese). Er bildete aus Parma und Piacenza ein unabhängiges Herzogtum und übergab es seinem unehelichem Sohn Pier Luigi. Die Familie Farnese konnte sich nach Anfangsproblemen (Pier Luigi wurde bereits nach einem knappen Jahr Herrschaft ermordet und sein Sohn Ottavio musste lange Jahre um seine Erbschaft mit seinem Schwiegervater Karl V. streiten) behaupten und für Parma, ihre Residenzstadt, begann die Zeit der größten Blüte.

Parma, das sind Fresken – die Stadt würde sich den Namen „citta frescata“ verdienen und wenn wir schon von Fresken sprechen müssen wir gleich an zwei Namen erinnern – Antonio Allegri, genannt Correggio, und Girolamo Franzesco Maria Mazzola, genannt Parmigianino. Der erste war der Meister des Lichtes, der zweite ist viel dunkler, ihre Werke sind in Parma überall, weil nach dem Herrschaftsantritt der Familie Farnese wurde wie um die Wette gebaut und gemalt. Offensichtlich hatte die Familie mehr als genug Geld aus der päpstlichen Schatzkammer und übrigens auch direkte Kontakte mit der kaiserlichen Familie. Ottavio, der Sohn von Pier Luigi war mit der Tochter Karls V. Margarete verheiratet (über sie habe ich bereits im Artikel über Piacenza geschrieben, wo sie begraben ist) und war damit auch der Verwalter der niederländischen Provinzen. Sicher ist er dadurch nicht arm geworden, obwohl ihn seine Frau angeblich nicht ausstehen konnte.

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Der Dom von Parma ist ein monumentales Gebäude im romanischen Stil mit gotischen Elementen. Er stammt aus dem zwölften Jahrhundert und aus der gleichen Zeit (aus dem Jahr 1178) ist auch das Relief der Kreuzabnahme von Benedetto Antelani, der auch das nahe Baptisterium gebaut hat. Das ganze Innere der Kirche ist mit Fresken geschmückt, mit Ausnahme der Seitenkapellen gibt es hier nicht einmal einen Quadratzentimeter Fläche, der nicht bemalt worden wäre. Die Kuppel durfte natürlich keiner anderer als der bereits erwähnte Correggio bemalen.

Gleich neben dem Dom steht ein gigantisches Baptisterium, verkleidet mit rosarotem Marmor. Der Eintritt in dieses christliches Gebäude kostet unchristliche acht Euro, die innere Ausstattung ließ aber den Atem stocken. Auch hier gibt es Fresken, Fresken und noch einmal Fresken. Auf dem hohen Gewölbe der Kuppel sind in drei Reihen zuerst oben die Apostel und Evangelisten mit den Köpfen ihrer Symboltieren, dann in der mittlerer Reihe Figuren aus dem Alten Testament und noch einmal Evangelisten, diesmal mit ihren eigenen Köpfen, und in der unteren Reihe Szenen aus dem Leben des Heiligen Johannes des Täufers. Aber auch die Wände sind mit Fresken bedeckt und in den Gallerien sind Statuen mit Bilder aus dem Leben der Menschen in einzelnen Monaten – sehr ähnlich, wenn nicht ident, mit den Mosaiken auf dem Boden in San Michele in Pavia mit den Symbolen des Zodiakus.

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Um einen Platz und ein paar Schritte weiter gibt es dann die Kirche des Heiligen Johannes Evangelist. Diese Kirche wurde im Jahr 1510 im Stil der Renaissance gebaut – die Kirchen in diesem Stil sind in der Welt eher Ausnahmeerscheinungen, aber in der Poebene sind sie keine Seltenheit. Zum Beispiel in Mantua gibt es eine noch größere Kirche San Andre. Die Fresken an der Decke sind natürlich wieder von Correggio, an der Dekoration der Kirsche nahm natürlich auch Parmigianino teil.

In keinem Fall darf man sich den Palazzo della Pilotta entgehen lassen, den sich die Familie Farnese als ihren Residenzpalast bauen ließ, der aber nie vollendet worden ist. Sonst würde er wahrscheinlich mit seiner Größe sogar die ungeheuerlich große Residenz in Piacenza übertreffen. Besonders das Teatro Farnese muss man gesehen haben. Es ist ein faszinierendes Beispiel eines überdachten Holztheaters im Stil der Renaissance, es gibt keine zweite solche in der gesamten Welt. Man staunt hier ähnlich wie z.B. im Bernsteinzimmer in Carsko Selo oder in Palermo in der Capella palatina. Italiener lieben alle ihre „piú“, in diesem Fall bin ich aber einverstanden.

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Außerdem ist im Palazzo della Pilota, wie in jeder italienischen Stadt, eine riesige Pinakothek. Ich bin kein großer Fan von Leonardo da Vinci, weil mir seine Bilder viel zu kalt und in sich verschossen vorkommen. Aber die Zeichnung einer jungen Frau in der Pinakothek von Parma ist einfach wunderbar. In meinen Augen stellt sie Mona Lisa ebenso in den Schatten wie auch die Dame mit dem Hermelin, also die zwei berühmtesten Damenportraits Leonardos. In die Zeichnung in der Pinakothek in Parma kann man sich verlieben.

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Es gibt hier auch ein Bild von meinem Lieblingsmaler Sandro Botticelli und natürlich auch Werke von dem Genie aus Parma, Correggio. Im ehemaligen Benediktinerkloster, genannt San Paolo ist dann „Camera Correggio“, bedeckt mit Fresken dieses Meisters.

Wenn man die Sammlungen des Palazzo della Pilote betritt, wird man von Herzogin Maria Luisa begrüßt und das gleich zweimal – einmal als ein riesiges Portrait, das zweite Mal als eine Statue. Die Parmesaner lieben ihre Duchessa. Ihren Namen trägt einerseits ein Dessert, anderseits auch eine Roulade mit Schinken und Parmesan. Der zweiten Gattin des Napoleons I. Bonaparte wurde durch Wiener Kongress das Herzogtum Parma und Piacenza für die Zeit ihres Lebens zugeteilt. Sie musste dafür ihren Sohn, den sie mit Napoleon hatte, in Wien in Obhut ihres Vaters, des Kaisers Franz, zurücklassen, damit den Franzosen nicht einfallen würde, den Burschen nach Paris zu entführen und dort ihn zum Kaiser auszurufen. Spanische Bourbonen, die über Parma nach dem Aussterben der Farneses geherrscht hatten, mussten warten. (Als sie dann im Jahr 1847 nach dem Tod von Maria Luise den Thron bestiegen, wurden sie ein Jahr später durch die Revolution vertrieben.) Maria Luise machte ihre Sache offensichtlich nicht schlecht, sie hatte umfangsreiche kulturelle Interessen, sie sammelte Bilder, initiierte den Bau des Theaters in Parma, in die Politik mischte sie sich nicht ein. Das war gut, weil auf so etwas die Italiener echt allergisch sind. Sie gewann auf diese Weise schnell die Liebe ihrer Untertanen.

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Natürlich auch durch die Geschichte ihrer Liebe. Wenn es um Liebe geht, kriegen die Italiener gleich weiche Knies. Maria Luise verliebte sich nämlich in den General Adam Albert von Neipergg, was in Wien bei ihrem Vater auf ein großes Unverständnis stieß. Erstens war sie noch mit Napoleon verheiratet und der Kaiser war nicht bereit, die Scheidung zu billigen. Zweitens war eine Beziehung eines Mitglieds der kaiserlichen Familie (einer Tochter des Kaisers!!!) mit einem einfachen Grafen morganatisch und Kaiser Franz hatte zu solchen Beziehungen immer ein sehr reserviertes Verhältnis (Sein Bruder Erzherzog Johann musste auf sein Einverständnis zu seiner Heirat mit seiner geliebte Anna Plochl ganze zehn Jahre warten). Aber Maria Luise, die in der Zwischenzeit ihrem geliebten Grafen einige Kinder gebar, vertrotzte sich, was sie wollte. Im Jahr 1821, nach dem Tod Napoleons erhielt sie die erhoffte Bewilligung zur Heirat. Heute sind beide Liebenden und spätere Eheleute nebeneinander in der Kirche Santa Maria della Steccata begraben. Diese wunderschöne Kirche ist ausgestattet mit Fresken des Meisters Parmigianino, seine Statue steht auf dem Platz vor der Kirche.

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Parma gehört sicherlich zu den schönsten Städten in Norditalien, allein die Geschäfte mit Schaufenster voll mit Prosciutto sind sehenswert. Der Schinken von Parma wird aus dafür speziell gezüchteten Schweinen produziert, die ein genau definiertes Gewicht erreichen müssen. Und der Schinken wird natürlich nach einem genau definierten Erzeugungsprozess produziert, was dem Produkt seine legendäre Qualität verleiht.

Allerdings, sollten Sie sich entscheiden das norditalienische Mekka der Gastronomie zu besuchen, passen Sie, bitte, bei der Suche nach einem Parkhaus auf. Zwischen dem Parkhaus Toschi (das gleich bei dem Palazzo della Pilota ist), und Goito auf der Uferpromenade gibt es eine Verkehrszone nur für Autos mit spezieller Genehmigung. Die Durchfahrt wird mit Kameras beobachtet. Weil ich meinem GPS geglaubt hatte, fuhr ich ahnungslos durch diese Zone und jetzt warte ich auf den Strafzettel. Das Parkhaus Goito ist dann nicht wirklich etwas, was man unbedingt erleben müsste. Bei der Einfahrt ins Parkhaus habe ich mich noch gefreut, dass sie zumindest einmal genug breit ist und deshalb hat mich nicht gestört, dass die oberen zwei Etagen für Dauerparken reserviert waren und Besucher wie ich mussten zumindest in die dritte Etage tiefer fahren. Ich freute mich aber nur bis zum Moment, als ich bei der Ausfahrt erfuhr, dass dieser Weg als ZWEISPURIG gemeint worden ist, dass es hier also Gegenverkehr gab. Was für ein Auto angenehm war, war für zwei ein wahrer Horror. Ich bin zwar aus Italien bereits einiges gewohnt, aber diesmal habe ich den Glauben aufgegeben, dass wir dieses Parkhaus ohne wesentlichen Schaden am Auto verlassen würden Und weil wir mit dem Auto meiner Frau unterwegs waren, hätte eine mögliche Kollision auch unheilbare Wunden in unserer ehelichen Beziehung hinterlassen können. Zeitweise ging es um Zentimeter, sogar vielleicht Millimeter – und wir hatten ein verhältnismäßig kleines Auto. Ich habe es versucht – zum Erstaunen der Italiener – sich in Nischen und Ausfahrten zu verstecken, letztendlich haben wir gesund und im ursprünglichen Zustand des Autos das Parkhaus verlassen, was einem Wunder glich. Wie das Parkhaus mein Peugeot 508 verlassen hätte, traue ich mir gar nicht vorzustellen. Also, wenn Sie können, bleiben Sie lieber in Parcheggio Toschi, auch wenn vor ihm häufig ein Stau ist.

Ein bisschen Spannung gehört aber zu einem Ausflug nach Italien. Italiener produzieren Chaos absichtlich, sie sind stolz darauf, dass sie es beherrschen können. Also keine Angst und los um Proscuitto und Parmesan zu genießen, es zahlt sich aus.

 

Alles hat einmal ein Ende und so auch das Warten auf den Strafzettel aus Italien. Dieser ist am 27.2.2018,  also  mehr als 5 Monate nach meiner Durchfahrt durch Parma angekommen. Die Fahrt durch die beschränkte Verkehrszone kostet also 79,19 Euro. Also lieber diesen  Stück meiden und in Parcheggio Toschi einparken.

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Piacenza

 

Diese Stadt war eigentlich gar nicht im Plan unseres Ausfluges. Sie war aber auf unserem Weg und wir hatten einen halben freien Tag, da entschieden wir uns auch diese Stadt zu besuchen und dort einen Kaffee zu trinken. Dann war das auf einmal ein ganzer Tag, weil diese hunderttausend Bewohner zählende Stadt am Fluss Po einem Tourist genug zu bieten hat.

Die Geschichte der Stadt Piacenza ist im Vergleich mit den anderen Städten in der Umgebung nicht gerade blendend. Im Kampf der oberitalienischen Kommunen spielte Piacenza keine wesentliche Rolle. Im Jahr 1447 wurde sie von Franzesco Sforza eingenommen, der gerade in diesem Jahr die Macht über Mailand übernommen hatte und seine Untertanen auf irgendwelche Art zu erfreuen und begeistern versuchte. Also zog er in den Krieg und eroberte die Stadt Piacenza.

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Als in die Lombardei die Franzosen unter dem König Ludwig XII. einmarschiert waren, bildete sich gegen sie so genannte „Heilige Liga“ unter der Führung des Papstes Julius II. (della Rovere)und diese hat es geschafft, die Franzosen wieder zu verdrängen. Bei der Teilung der Beute wurde Piacenza im Jahre 1521 ein Teil des Kirchenstaates. Im Jahr 1545 nutzte diese Tatsache Papst Paul III, geboren als Alessandro Farnese, um seine eigene Familie zu versorgen. Er bildete ein neues Herzogtum Parma und Piacenza und beschenkte damit seinen eigenen Sohn (offiziell war es natürlich ein Neffe, weil Päpste keine eigenen Kinder haben durften, deshalb heißt diese Art der Beschenkung Nepotismus – aus dem lateinischem „nepos“ also der Neffe) Pier Luigi II. Farnese. Dieser Herr war aber den Bürgern von Piacenza vor allem durch sein wüstes Sexualleben viel zu lästig, sie haben ihn also bald nach der Machtübernahme ermordet und mit dem Papst vereinbart, dass sie seinen Sohn Ottavio als ihren neuen Herrn akzeptierten würden. Das war aber auch nicht ganz einfach. Obwohl Ottavio seit 1538 mit Margarethe, der unehelichen Tochter des Kaisers Karl V. verheiratet war (übrigens Margarethe war das einzige uneheliche Kind, das Karl V. als sein eigenes anerkannt hatte) war der Kaiser nicht geneigt, dem Schwiegersohn zu helfen. Piacenza war von kaiserlichen Truppen unter der Führung Ferrante I. Gonzaga von Mantua besetzt und der Kaiser zögerte, seinem General einen Befehl zu erteilen, die Stadt zu räumen und sie dem kaiserlichen Schwiegersohn zu übergeben – vielleicht auch deshalb, weil in dem Ehepaar Farnese eine bestimmte Kälte herrschte. Als sie geheiratet hatten, war der Bräutigam gerade vierzehn und die Braut sechzehn Jahre alt gewesen, sie war bereits eine Witwe. Ihren jungen Mann hat sie einfach lebenslang ignoriert. Ottavio hat es aber letztendlich geschafft, sein Herzogtum zu beherrschen und es begann die berühmteste Epoche der Stadt, die Epoche der Familie Farnese, über die man in Piacenza sowie auch in Parma auf jedem Schritt stolpert.

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Piacenza war zwar nie eine Residenzstadt, zu der wurde Parma, trotzdem baute hier die Familie Farnese einen ungeheuerlich riesigen Palast. Palazzo Farnese besitzt ein großes Museum, neben der üblichen Pinakothek hat er aber zwei sehr interessante Objekte. Eines davon ist die weltweit größte Kutschensammlung. (Übrigens eine unauffällige, aber wunderschöne Konkurrenz, gibt es in Mähren im Städtchen Čechy po Kosířem, die Anzahl der ausgestellten Kutschen kann vielleicht mit Piacenza zahlenmäßig knapp nicht mithalten, die Qualität der Exponate ist aber noch schöner). Die Sammlung in den Räumen des Palastes von Piacenza ist aber imposant und wenn  Sie sich entscheiden, Piacenza zu besuchen, sollten sie diese Ausstellung keinesfalls auslassen. Das zweite berühmte Objekt im Palazzo Farnese ist die berühmte etruskische Leber. Es ist ein Modell der Schafleber mit Aufschriften in etruskischer Sprache, offensichtlich diente dieses Modell als Lehrmittel für angehende Haruspices (also etruskische Priester und Seher), damit sie aus der Leber der geopferten Tiere die Zukunft voraussagen konnten.

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Das Zentrum der Stadt ist nicht die Piazza del Duomo, wo sich eine romanische Kirche befindet. Ähnlich wie in anderen italienischen Städten hat man auch hier im romanischen Stil zu bauen begonnen, wurde aber nicht schnell genug mit dem Bau fertig und deshalb hat das Gebäude auch zahlreiche gotische Elemente. In der Krypta sind die Überreste der heiligen Justina aus Antiochia, die im Jahre 1099 nach Piacenza überführt worden ist – offensichtlich in Rahmen des ersten Kreuzzuges – also noch vor dem Baubeginn der Kirche. Unter dem Dom ist ein kleines Museum mit einem sehr engagierten Angestellten (er hat uns direkt in der Krypta abgefangen). Hier befindet sich ein Original??? einer Urkunde Karl des Großen, die Piacenza Marktrechte zugesprochen hat. Die Urkunde trägt eine eigenhändische Unterschrift des Kaisers (mehr als unterschreiben konnte der Kaiser nicht, er blieb bis zu Ende seines Lebens Analphabet)

Margarete von Österreich (den Titel d´Austria erhielten allen uneheliche Kinder der Habsburger Monarchen, sonst ist sie auch als Margarete von Parma bekannt) die Gattin von Ottavio Farnese, war auf Wusch ihres Bruders, des spanischen Königs Phillip II., zweimal die Verwalterin der niederländischen Provinzen. Das erste Mal in den Jahren 1559 – 1567, als die Niederlande in Rahmen der Verhandlungen der Spanier mit Ferdinand I. über die Kaiserkrone für die österreichische Linie der Habsburger vom Römischen Reich abgetrennt und Spanien zugesprochen worden waren. Es war eine Gegenleistung dafür, dass Philipp die Ansprüche des Sohnes Ferdinands I. Maximilian anerkannt, und für sich und seine Nachfahrer auf die kaiserliche Krone  verzichtet hatte. Margarete war so nach ihrer Großtante Margarete, der Tochter Kaiser Maximilians I. und Tante Marie von Ungarn, der Witwe nach König Ludwig und Schwester des Kaisers Karl V., die dritte weibliche Verwalterin der Niederlande. Offensichtlich konnten die Holländer mit den Frauen besser als mit den  Männern auskommen. Allerdings mit ihrem fanatischen Bruder Philipp, der die ganze Welt zum katholischen Glauben wieder bekehren wollte, tat sich Margarete sichtbar schwerer als ihre Tante und Großtante mit dem toleranten und melancholischen Kaiser Karl V. Nach der ersten Abdankung im Jahr 1567 versuchte sie es noch einmal im Jahr 1578 und sie konnte wirklich einige Erfolge verbuchen, als sie einen Frieden mit der „Union von Arras“, also der Allianz der Städte auf dem Gebiet des heutigen Belgiens, schließen konnte. Mit den nördlichen Provinzen ist ihr das allerdings nicht gelungen, diese blieben in einem bewaffneten  Widerstand. Im Jahr 1582, mit 60 Jahren, also nach Erreichen eines Pensionsalter, hängte sie die Schlüssel der Niederlanden definitiv an den Nagel, kehrte nach Piacenza zurück und verstarb hier im Jahre 1586. Begraben ist sie unter einem prachtvollen Grabmal in der Kirche San Sisto unweit von Palazzo Farnese.

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Norditalienische Städte haben eine Besonderheit. Der „Duomo“ ist zwar die größte, aber nicht die bedeutendste Kirche in der Stadt. Diese Position hat immer eine andere Kirche. In Pavia ist es San Michele, in Mantua San Andre, in Parma die Kirche des Johann Evangelisten und in Piacenza ist das San Sisto. Nicht nur deshalb, weil hier Margarete von Österreich die letzte Ruhe gefunden hatte, aber für diese Kirche hatte Raffael Santi seine berühmte Sixtinische Madonna gemalt. Die kaufte dann im Jahr 1754 der sächsische Kurfürst August III. von der Stadt Piacenza, also befindet sie sich derzeit im Zwinger in Dresden. In San Sisto in Piacenza gibt es an der ursprünglichen Stelle auf dem Hauptaltar eine Kopie. Gegen diese Vorstellung leistete aber der sonst sehr liebe Beschließer der Kirche, der uns willig sogar nach der Sperrstunde rein gelassen hatte,  einen verbitterten Widerstand. Meine Behauptung, dass ich die echte Madonna in Dresden gesehen hatte, kam ihm wie eine Blasphemie vor. Zum  Glück hat er es nicht versucht mich mit Anwendung von Gewalt über seine „Wahrheit“ zu überzeugen. Ein Trinkgeld hat er von mir aber stolz nicht genommen.

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Das Zentrum der Stadt ist nicht die „Piazza Citadella“ mit dem Dom, aber die „Piazza dei Cavalli“, die mit dem erstgenannten Platz durch die Einkaufstrasse Via Cavour verbunden ist. Piazza dei Cavalli wurde nach zwei Reiterstatuen der Mitglieder der Familie Farnese genannt. Diese stehen vor dem Rathaus – Palazzo del Comune, auch „Il gotico“ nach seinem Baustil aus roten Backsteinen genannt.

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Seltsam ist, dass sich auf diesem zentralen Platz eine riesige Kirche des heiligen Franziskus befindet. Die Franziskaner wurden als ein Bettelorder immer am Rande der Stadt nahe der Stadtmauer lokalisiert – schon deshalb, damit sie nicht den Dominikanern eine Konkurrenz wären. Die Dominikaner besaßen meistens ihr Kloster am Rande oder am liebsten sogar außerhalb der Stadtmauern, immer aber auf der anderen Seite der Stadt, als die Franziskaner ihren Sitz hatten. In Piacenza wurde diese Regel offensichtlich gebrochen, warum, weiß ich nicht.

Piacenza, ein bisschen eine Aschenputtel unter den norditalienischen Städten ist also nicht notwendig zu meiden. Es hat genug Schönes anzubieten.

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Cremona

Cremona ist einfach entzückend. Diese Stadt, am Ufer des Flusses Po, spielte eine bedeutsame  politische Rolle im dreizehnten Jahrhundert. Sie war der Hauptstützpunkt der kaiserlichen Macht in der Poebene  und der Hauptgegner des nahen Mailands im Kampf um die Oberhoheit in der Region.

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Aus den heutigen Stadtgrößen (Cremona 70.000 und Mailand 1,3 Millionen Einwohner) ist man gleich im Klaren, wie dieser Kampf ausgegangen ist. Die Stadt war streng ghibellinisch, möglicherweise stehen deshalb auf dem Hauptplatz die kirchlichen (Dom mit Campanile) und die weltlichen (Palazzo comunale und Loggia dei Militi, wo die Stadtgarde angesiedelt war) Gebäude getrennt, auf gegenüber liegenden Straßenseiten.

Kaiser Friedrich II. war sich der Bedeutung der Stadt bewusst und unterstützte sie mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Gerade aus diesem  Grund stammen alle wichtigen Gebäude der Stadt aus der Zeit seiner Herrschaft. Nach der Ausrottung der Staufen, im Jahr 1268, hat auch in dieser Stadt die päpstliche Partei (der Guelfen) die Oberhand gewonnen doch das erwies sich als fatal. Nachdem die Viscontis in Mailand die Seiten wechselten und zu treuen Anhängern der kaiserlichen Macht wurden, blieb Cremona, in der Zeit des italienischen Feldzuges von Kaisers Heinrichs VII., auf der päpstlichen Seite und wurde dafür gehörig bestraft. Im Jahr 1322 wurde sie von den mailändischen Truppen eingenommen und verlor für immer ihre Selbständigkeit und Bedeutung.

Noch einmal, zumindest für einen einzigen Tag, stand Cremona im Mittelpunkt  des politischen Lebens, als hier im Jahr 1441 die Hochzeit der Erbin des Herzogtums von Mailand Bianca Maria Visconti mit dem einundvierzigjährigem General Francesco Sforza stattgefunden hat. Der Bräutigam bekam die Stadt Cremona als Mitgift seiner Braut. Bei dieser Hochzeit sollte das erste Mal als Nachtisch „Torrone“ serviert worden sein. Es wird auch heute noch als eine cremonische Spezialität in den Souvenirgeschäften verkauft. Es schmeckt und schaut aus wie der gut bekannte türkische Honig.

Der Dom ist ein imposantes Gebäude mit kleinen Türmen, die an Minarette erinnern. Mit diesem baulichen Artefakt ist man in mehreren Städten am Po konfrontiert. Warum es so ist, habe ich nicht erfahren. In der Kathedrale wird eine umstrittene Reliquie aufbewahrt, nämlich der Dorn aus der Dornkrone Christi. Er wurde der Stadt von Papst Gregor XIV. geschenkt. Es war ein Geschenk an jene Stadt, in der er geboren wurde. Dies war wahrscheinlich das einzige, was er in seinem Pontifikat (das lediglich zehn Monate dauerte), geschaffen hat. In der Krypta liegen Überreste des lokalen Patrons des „Heiligen Omodon“, mit einer Maske auf dem Gesicht. Es handelt sich um einen cremonischen Kaufmann, der sehr wahrscheinlich einen Handel mit Stoffen betrieben hatte (er ist der Schutzpatron der Schneider) und der bereits zwei Jahre nach seinem Tod, im Jahr 1099, von Papst Innozenz III. heiliggesprochen wurde. Den Grund für diese Eile konnte ich nicht entdecken! Wahrscheinlich hat er auf ein großes Besitz verzichtet, hoffen wir, dass er dies für die Armen und nicht für die katholische Kirche getan hatte. Die superschnelle Heiligsprechung spricht aber eher für die zweite Variante.

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Im Dom befindet sich ein riesiges Kreuz aus Silber, es ist dies ein Werk mailändischer Goldschmiede, das zu meinem Erstaunen auf einen Sieg der Cremonesen über Mailand erinnert. Weil das Kreuz aber bereits im fünfzehnten Jahrhundert geschaffen worden ist, als Cremona bereits eine Weile mailändisch war, wollten anscheinend die herrschenden Herzöge, ihren Untertanen ein bisschen Selbstachtung geben.

Viel erstaunlicher als der Dom selbst ist aber das Baptisterium, das gleich nebenan steht. Seine einfache romanische Konstruktion, aus dem Jahr 1167, mit einer unglaublich hohen Kuppel ist faszinierend. Die drei Euro Eintrittsgeld zahlen sich wirklich aus. Offensichtlich ging der Stadt während dieses Baus das Geld aus, da mit den Marmorplatten das Baptisterium nur zur Hälfte bedeckt wurde. Trotzdem ist es wunderschön. Das Taufbecken selbst, mit der Statue des Christus  Erlösers, ist aber deutlich jünger. Es stammt aus dem sechzehnten Jahrhundert. Hier ist auch die Statue von Erzengel Gabriel (die ursprünglich auf dem Kuppelgipfel stand) und ein Bild von Johann Paul II. (gemeinsam mit dem cremonischen Bischof  Monsignore Anrico Assi) der selbstverständlich auch einmal hier war. Das überrascht uns aber nicht, denn er war einfach überall.

Wer in einer sehr guten körperlichen Verfassung ist, kann auf die Campanile hinauflaufen. Sie ist mit 112 Meter angeblich die höchste in Italien. Um auf die Aussichtsterrasse zu gelangen muss man 502, immer enger werdende Stufen, einer Wendeltreppe bewältigen. Ungefähr nach einem Drittel der Turmhöhe, gibt es einen Raum in dem man sich mit der Geschichte und Funktion der astronomischen Uhr bekannt machen kann. Sie ist auf dem „Torazzo“ platziert. Die Italiener sind Meister der Übertreibung und  lieben daher das Wort „am meisten/am größten“  (also „piú“), deshalb ist auch der Glockenturm die höchste aus Ziegel gebaute Campanile in Italien und die Uhr, mit 54 Quadratmeter Fläche, natürlich die größte der Welt. Ihre Funktion, deren Beschreibung man in einem Kurzfilm (italienisch mit englischen Untertitel) kennenlernen kann ist faszinierend. Sie ist ununterbrochen, seit Ende des fünfzehnten Jahrhundert im Betrieb, als sie in die Campanile eingebaut worden ist. Von der Kirchturmspitze aus kann man ganze Cremona sehen. Nein, ich übertreibe nicht, man kann sogar die Industriezone fern vom historischen Zentrum, mit dem Fluss Po im Hintergrund, sehen. Cremona ist nämlich wirklich so klein, dafür aber umso lieber.

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Cremona nennt man auch die Stadt der Violinen. Einer der bekanntesten Hersteller ist Antonio Stradivari.

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Dieser Geigenmacher ist in der gesamten Stadt allanwesend. Ich habe gleich drei seine Statuen in Cremona entdeckt. Eine auf dem nach ihm benannten Platz, die zweite vor dem Haus in dem heutigen Corso Garribaldi lebte und arbeitete und die dritte natürlich vor dem „Museo de Violine“, das Museum der Geigenmacherei. Ich bin zwar nicht durch die gesamte Stadt gegangen, daher könnte ich vielleicht eine versteckte irgendwo übersehen haben. Stradivari wurde 93 Jahre alt, im Museum sind sowohl Geigen ausgestellt die er mit 26, aber auch mit 90 Jahren gefertigt hat. Man findet hier auch den berühmten kleinen „il cremonese“, aus dem Jahr 1715, damals war Stradivari 71 Jahre alt.

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Er musste unglaublich gute Augen und sichere Hände in den späten Jahren seines Lebens gehabt haben, die Geigenproduktion ist nämlich eine Millimeterarbeit und ein einziger falscher Schnitt ruiniert das gesamte Produkt. Natürlich sind in der „Sala dei Violini“ auch Geigen anderer Meister ausgestellt. Manche davon sogar älter als die von Stradivari (zB.:  „l´Hammerle“, aus dem Jahr 1658, von Nicolo Amati). Die Geigenproduktion wir dem Besucher in sechs Kurzfilmen vorgestellt. Die Filme beginnen beim Baum, aus dem das Holz gewonnen wird und enden beim Spiel auf dem fertigen Instrument. Auf einer Weltkarte ist es möglich die Entwicklung der Geigenmacherei zu verfolgen. Es beginnt im sechzehnten Jahrhundert, als die Violine entstanden ist und geht bis zum  Jahr 1937. Natürlich wird man hier überall mit Musik begleitet, man kann sich aber auch nur in die Säle setzen und einfach nur zuhören und relaxen. „Museo dei violini“ ist ein echtes Erlebnis.

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Cremona war einer der fünf ersten Zentren der Geigenproduktion. Als erste begann damit die Familie Amati, danach haben sich die Familien Stradivari und Guarneri angeschlossen. Nach dem Höhepunkt der Geigenproduktion im siebzehnten Jahrhundert kam ein Niedergang. Am Beginn des zwanzigsten Jahrhundert wurde aber die „Scuola di Liuteria“ (die Schule der Geigenmacherei) gegründet, was Cremona wieder zur italienischen Hauptstadt der Geigenproduktion machte. In Cremona gibt es übrigens auch heute noch eine Reihe an Meistern, deren Werkstätte man besuchen und dem Meister bei seiner Arbeit zuschauen kann. Seit 2009 gibt es den Verein „Friends of Stradivari“, wenn Sie eine Originalgeige von diesem Meister in ihrem Besitz haben oder in Ihrem Museum aufbewahren, können Sie diesem Verein beitreten. Seit 1976 findet in dreijährigen Intervallen ein internationaler Wettbewerb der Geigenmacher statt, der von der „Fondatione Stradivari“ organisiert wird. In der Sammlung „Collezione Permanente“ kann man die siegreichen Geigen dieses Wettbewerbes bewundern.

„Museo civile“ war für uns eher ein „Schlag ins Wasser“. Wer Bilder aus der Barockzeit liebt, wird hier richtig sein. Keinesfalls sollten dieses Museum aber Gitarrenliebhaber auslassen. Es gibt hier eine Gitarrenausstellung, mit Gitarren, Mandolinen und vielen weiteren Saiteninstrumenten (keine Geigen, die sind in einem eigenen, oben beschriebenen Museum untergebracht). Es ist hier die Entwicklung dieser Musikinstrumente beschrieben, das ist aber nur etwas für Spezialisten oder Liebhaber dieser Instrumente.

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Interessant konzipiert ist „Museo archeologico“, das in einer alten, halbzerfallenen Kirche (San Lorenzo) untergebracht wurde. Wie ich bereits mehrmals erwähnte, die Italiener reißen nichts ab, es ist ihnen zu viel Arbeit und es entsteht ihnen zu viel Schade. In einer Kirchenruine installierten sie daher lieber ein Museum der Archäologie, wie oben erwähnt.

Cremona ist ein schönes und liebes Städtchen, stolz auf seine Geschichte und Gegenwart, aber ganz unauffällig. Den Aufenthalt hier kann man wirklich auskosten und genießen.

Pavia

Pavia ist eine unauffällige kleine italienische Stadt (mit ca. 70 000 Einwohner), die sich in der Nähe ihres riesigen Nachbars  – Mailand – duckt, sie verdient sich aber dank ihrer Geschichte und auch wegen ihrer Schönheit mehr Aufmerksamkeit.

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Pavia existierte bereits in den römischen Zeiten unter dem Namen Ticinum, damals wurde über den Fluss Ticino die erste Steinbrücke gebaut. Ihr Ruhm begann mit dem Niedergang des Römischen Reiches, als sie zuerst eine der Hauptstädte des Ostrogotenreiches (neben Verona) wurde und danach die Hauptstadt der Langobarden, die sie im Jahr 572 nach dreijähriger Belagerung einnahmen.

Als ich den Fremdenführer Marco in der Kirche San Michele fragte, warum der Häuptling der Langobarden Alboin, der auch zum ersten König dieses Volkes werden sollte, für seine Hauptstadt gerade Pavia und nicht zum Beispiel das nahe Mediolanum ausgewählt hatte, antwortete dieser: „Das ist doch ganz klar.“ Als er dann meinen überraschten Blick bemerkte, ergänzte er seine Aussage versöhnlich: „Natürlich aus dem Blick eines Einwohners von Pavia.“ Marco war einfach „Il patriota locale.“

Seine Argumente hatten allerdings Kopf und Fuß. Erstens, die Langobarden selbst mussten um die Stadt drei Jahre lang kämpfen. Das musste sie logischerweise auf die Idee  bringen, dass diese Stadt gut zu verteidigen war. (Das bewies sich zwar als wahr, trotzdem aber kapitulierte die Stadt letztendlich nach neunmonatiger Belagerung durch Truppen von Karl dem Großen im Jahr 774). Zweitens hatte die Stadt genug Wasser, da der Fluss Ticino aus dem Laggo Maggiore entspringt und  nie austrocknet. Noch dazu hatte sie immer sauberes Wasser, weil der See wie ein riesiges Filter funktionierte und sogar in der Zeit von Schneetau oder Regenfälle ließ er kein Schlamm in den Fluss kommen. Und drittens liegt die Stadt nahe der Mündung von Ticino in den Fluss Po. Die Stadt war also für Schiffe aus Venedig gut erreichbar und diente als eine Umlagestelle für die Waren, in erster Linie für das naheliegende Mailand.

Auch die Religion könnte eine bestimmte Rolle gespielt haben. Langobarden waren, wie die Mehrheit der germanischen Stämme (mit Ausnahme Franken), Arianen und in einem großen Mailand, das unter dem Einfluss seines ehemaligen Bischofs und Heiligen Ambrosius stand, hätten sie wahrscheinlich größere Probleme beim Durchsetzen ihres Glaubens gehabt als im kleineren Pavia. Sie selbst waren absolut tolerant. In der Stadt gab es eine arianische und eine katholische Kirche, so wie auch in allen anderen Städten ihres Reiches. Den Glauben der eigenen Untertanen unterdrückten die Langobarden nicht. Der arianische Glaube war für sie aber immer wieder ein guter Vorwand, Rom als Zentrum des „falschen“ Glaubens zu überfallen und auszuplündern. Als Rom in der Mitte des siebenten Jahrhunderts ihren Angriff das erste Mal abwehren konnte, traten sie zum katholischen Glauben um. Ein weiteres Beharren auf der Lehre des Arianos verlor damit nämlich an Bedeutung.

Und der nächste und wichtigste Grund für die Wahl von  Pavia zur Hauptstadt des Reiches, war die Tatsache, dass Pavia bereits in den römischen Zeiten ein Zentrum der Bildung war. Hier wurden Beamte für die Reichsverwaltung ausgebildet und diese Funktion behielt die Stadt auch in den Zeiten der Herrschaft der Germanen.

Langobarden unterstützten die Bildung. Sie selbst bildeten in der Gesellschaft nur eine dünne Oberschicht, sie mussten sich also auf die Zusammenarbeit  mit der lokalen römischen Bevölkerung verlassen (nur die Adelsschicht rotteten sie erbarmungslos aus). Aus ihrer Sprache blieb im Italienischen nicht viel, vielleicht nur das Wort für Bier  – Birra –  das ist aber genug, den dieses Wort ist natürlich bei weitem nicht unbedeutsam. Die Administrative in ihrem Reich stützte sich auf Latein und in diese Sprache wurde auch in Pavia unterrichtet. Die Universität besteht hier bis heute. Bei 70.000 Einwohnern der Stadt, studieren hier 25.000 Studenten, was der Stadt ein erfrischendes Bild der Jugend verleiht. In der Nacht wird hier sehr intensiv gefeiert. Die Universität befindet sich in einem riesigen Gebäudekomplex mitten im historischen Stadtkern und bildet hier eigentlich ein eigenes Stadtviertel. Die berühmtesten Absolventen dieser Hochschule waren Alessandro Volta, der Erfinder der elektrischen Batterie (seine Statue steht im Atrium der Universität) und angeblich auch Christoph Columbus (seine Statue suchte ich aber vergeblich).

Marco behauptete, dass die Universität von Pavia die drittälteste Universität in Italien, hinter Bologna und Padua sei. Als ich ihn auf die Universität von Neapel aufmerksam gemacht habe, widersprach er heftig. Er war einfach „Il patriota locale“, angetan von Dingen in seiner Stadt. Das Argument, dass die Gründungsurkunde der Universität aus dem  Jahr 1361 stammte, lehnte er entschieden, als einen Trick des Mailänder Herrschers Gian Galeazzo Visconti, ab. Marcos Meinung nach wollte dieser für sich den Ruhm als Universitätsgründers beanspruchen, als er im Jahr 1360 Pavia eroberte und seinem Herrschaftsbereich angeschlossen hat. Eine Hochschule war hier allerdings schon lange vorher. Übrigens beim Eingang in die Universität wird als erster Gründer der Schule Kaiser Lothar bezeichnet, der in den Jahren 795 – 855 lebte. Wer will, kann dies glauben.

Aber zurück zu den Langobarden. Auf diese Epoche ist Pavia zu Recht stolz. In der Burg Castello Visconteo war im Jahr 2017 eine wunderbare Ausstellung, wo die Welt der Germanen beeindruckend, inklusiv der Bedeutung von Bildung in ihrem Leben, dargestellt wurde. Sie waren also keine Barbaren aus dem Norden (sie kamen aus der Region Panonie und verweilten einige Zeit auf dem Gebiet von Österreich und Mähren) und wenn, dann nur am Anfang ihres Wirkens in Italien. Um die Bedeutung der Bildung und der Schulen in der Stadt zu betonen, kaufte König Liutprand (er herrschte in den Jahren 712 – 744) von den Arabern Knochen des heiligen Augustinus, eines der wichtigsten Heiligen, die sich in Cagliari auf Sardinien befanden und übertrug sie nach Pavia, wo sie heute in der Kirche San Pietro Ciel d´Oro aufbewahrt werden. Natürlich ist die Kirche ein Teil des Klosters des Ordens der Augustiner. Der Heilige Augustin arbeitete das erste komplexe philosophisch-theologische System des christlichen Glaubens, das sich auf Novoplatonismus stützte, aus, und gilt als  „Lehrer der Kirche“. Augustin war vor seiner Konversion zum Christentum ein Universitätsprofessor in der Stadt Hippo, im heutigen Tunesien und verstarb in dieser Stadt im Jahr 430 während der Belagerung durch Vandalen. Damit ist seine symbolische Bedeutung für die Bildung unbestritten. Um dieses Symbol noch weiter zu stärken, ließ er aus Rom die Überreste von Böethius, des letzten großen römischen Philosophen, der in der Zeit der Herrschaft des Ostrogotenkönigs Theodorich des Großen hingerichtet worden war, her bringen. Diese sind in der Krypta der gleichen Kirche des heiligen Petrus (San Pietro Ciel d´Oro) aufbewahrt. Der König selbst ließ sich unter einem Pfeiler der Kirche bestatten, wahrscheinlich um in der Nähe der großen Lehrer und Philosophen bleiben zu dürfen.DSC_0425

Die Liebe zur Bildung unterlag aber der Gewalt. Im Jahr 774 nahm Karl der Große Pavia ein und ließ sich in der Kirche San Michele zum italienischen König krönen. Mit so genannter „eisernen Krone“ die natürlich nicht aus Eisen war. Langobarden hatten eine sehr flache Regierungsstruktur. Einzelne Herzöge (dux) waren mehr oder weniger selbständige Herrscher und den König wählten sie als eine eher symbolische Figur, deshalb hatten Langobarden auch keine Dynastien. Übrigens nach dem ersten König, sein Name war Alboin, probierten sie es zehn Jahre ganz ohne König, bis sie darauf kamen, dass er doch in bestimmten Aspekten von Nutzen sein könnte. Als es aber notwendig war, sich gegen die angreifenden Franken zu vereinen, meinten die Herzöge aus den südlichen Provinzen Spoleto und Benevento, dass sie dieser Krieg gar nicht angeht und kamen daher nicht zur Hilfe, was ein fataler Fehler war. Die Kirche San Michele spielt in Pavia eine zentrale Rolle. Sie ist wichtiger als Duomo, die in den Jahren 1488 – 1939 gebaut worden war. Die ursprüngliche Kirche San Michele, wo Karl der Große die Krone einnahm, gibt es nicht mehr. Im Jahr 924 eroberten Pavia die Ungarn (diesmal ging es ganz schön schnell, die Schutzmauer der Stadt, die so lange Alboin oder Karel dem Großen Wiederstand leisten konnten, versagten diesmal kläglich) und machten sie dem Boden gleich. Dabei vernichteten sie auch diese heilige Kirche. Volontär Marco versuchte mir einzureden, dass ein großes Erdbeben daran schuld war, historische Quellen sprechen aber eine andere Sprache. Auf der Stelle der alten Kirche wurde im elften Jahrhundert eine neue Kirche gebaut. Weil die Fassade aus Sandstein gebaut worden war, sieht man sofort wie alt die Kirche ist. Der Regen und Wind wischte die alten Reliefs ab. Im Inneren der Kirche sind fantastische Mosaike auf dem Boden der Apsis und auch die Stelle, wo die Könige auf ihre Krone warten musste. San Michele ist dem Erzengel Michael gewidmet, der in der Symbolik der Langobarden, aber auch der anderen germanischen Stämme, eine zentrale Rolle spielte. Es war eine Kultur der Krieger und Erzengel Michael war der Anführer der Armee des Himmels, der die aufständischen Engel besiegt und in die Hölle gestürzt hatte. Sein Kult geht durch ganz Europa, von St. Michele in Bretagne bis Monte San Angelo in Apulien (übrigens dieses Heiligtum, in einer Höhle im Gebirge Gargano war auch die Pilgerstätte der Langobarden und Grabstätte ihrer Könige). In der Apsis der Kirche San Michele in Pavia wurden Mosaiken aus dem elften Jahrhundert entdeckt, die Symbole von Zodiac sowie auch die einzelne Monate und mit ihnen verbundenen menschlichen Aktivitäten darstellen.

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Pavia war die Hauptstadt des Italienischen Königsreiches, die mehr oder weniger nur noch rein formal weiter existierte, bis ins Jahr 1024. In diesem Jahr machten die Bürger von Pavia einen großen Fehler. Nach dem Tod Kaisers Heinrich II. (er wurde später heiliggesprochen, weil er mit seiner Frau Kunigunde  -ebenfalls eine heilige – angeblich keinen Geschlechtsverkehr pflegte. Ob die Ursache wirklich eine Enthaltsamkeit oder eher Homosexualität oder Impotenz – vielleicht nur infolge einer Phimose war, weiß nur der Gott allein, für eine Heiligsprechung hat das aber gereicht) , zerstörten die Bürger von Pavia die alte kaiserliche Falz, die in der Stadt noch König Theodorich der Große bauen ließ. Der neue Kaiser Konrad war nicht bereit diese Tat zu verzeihen und ließ sich zum italienischen König in Mailand krönen. Die Kommune von Pavia schaffte es noch, ähnlich wie die anderen italienischen Kommunen, ihre Adelige dazu zu zwingen, in die Stadt zu ziehen. Diese bauten in der Stadt dutzende Türme, die wie phallische Symbole ihre Häuser schmückten (diese sind sichtbar auf einem Fresko in der Kirche San Theodoro). Heute stehen die letzten drei hinter dem Gebäude der Universität, auf dem Platz von Leonardo da Vinci und manche davon neigen sich bereits bedrohlich zur Seite (bei weitem aber nicht so auffällig wie ihre Verwandten in Bologna). Wenn man eine wahre Vorstellung gewinnen möchte, wie so eine Stadt ausgesehen hat, dann muss man nach San Gimignano in die Toscana, dort steht noch eine ganze Menge.DSC_0445

In San Michele von Pavia ließ sich im Jahr 1154 noch Friedrich Barbarossa zum italienischem König krönen (weil er mit Mailand in einem kriegerischen Konflikt verwickelt war und seine ursprüngliche Pläne sich in Monza, in Sichtweite von Mailand krönen zu lassen, nicht verwirklicht werden konnten), aber der Niedergang der Bedeutung von Pavia konnte diese Tatsache nicht mehr aufhalten. Im Jahr 1360 marschierten in die Stadt die Truppen des Mailänder Diktators (und späteres Herzogs) Gian Galeazzo Visconti ein und die Selbständigkeit der Kommune von Pavia fand damit endgültig ihr Ende. Kaiser Karl IV. ließ sich am 6.1.1355 bereits im Dom von Mailand krönen. Eine andere Möglichkeit hatte er nicht, wenn er wollte, dass ihn der allmächtige Visconti weiter zu seiner Kaiserkrönung nach Rom reisen ließe. Sein Sohn Sigismund machte es ihm am 25.11.1431 nach. Ein Beweis, dass sich das Machtzentrum nun auch formal nach Mailand verlegt hatte.

In Pavia blieb trotzdem viel Sehenswertes. Piazza dela Vittoria mit dem Rathaus und der Kathedrale. Eine Überdachte Brücke über den Fluss Ticino (ponte coperto), die noch aus den römischen Zeiten stammt und bereits einige male zerstört und wiederaufgebaut wurde (das letzte Mal im Jahr 1951). Sie ist sehr schön. Auf der anderen Seite des Flusses gibt es eine zauberhafte Reihe an Häusern  „Borgo ticino“, ein Denkmal auf das Bombardement der Stadt im zweiten Weltkrieg und eine Statue einer Waschfrau, von der aus sich ein wunderschöner Blick auf Pavia über den Fluss Ticino bietet.

Am Rande der Stadt ließ Gian Galeazzo Visconti eine viereckige Festung, als ein Symbol seiner Macht, bauen. Heute befindet sich hier „Museo civico“, also das Stadtmuseum mit einer Pinakothek und einer wunderbarer Ausstellung zur Geschichte der Langobarden.

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Noch einmal geriet Pavia ins Zentrum des internationalen Interesses und zwar im Jahr 1525. Ausgerechnet in dieser Stadt kam es zur entscheidenden Kräftemessung zweier der mächtigsten Männer der damaligen Welt. Nämlich jener von Kaisers Karl V. und des französischen Königs Franz I. Die kaiserlichen Truppen erreichten einen überrachenden Sieg, König Franz wurde gefangen genommen und das Gebiet der Lombardei überging für die nächsten zwei hundert Jahre unter spanische Herrschaft. Seit diesem Schicksalstag fehlt dem Castello Visconteo der Nordflügel, der von der französischen Artillerie während der Belagerung der Stadt (die der Schlacht vorausgegangen war), vernichtet und nicht wieder aufgebaut worden ist. Die Schlacht ist in einem Fresko in der Kirche San Theodoro dargestellt worden. Für mich ist dies eine ziemlich überraschende Tatsache, dass ein Bild von diesem furchtbaren Morden seinen Weg in eine christliche Kirche gefunden hat.

Acht Kilometer von Pavia entfernt in Mitte der Reisfelder befindet sich Certosa di Pavia, ein Kloster der Kartusianer. Es handelt sich um ein monumentales Gebäude, das Gian Galeazzo Visconti als Grabstätte für sich und seine Familie bauen ließ. Neben diesem Grab ist hier auch wunderschön die Gruft von Ludovico Sforza und seiner Frau Beatrice zu sehen, die im Alter von 22 Jahren gestorben ist, aber es trotzdem schaffte, dem Mailänder Herrscher zwei Söhne zu gebären. Die Mönche von Kartusianer sind auch noch heute hier. Sie wohnen jeder in einem der zweiundzwanzig kleinen Häuschen, die angeordnet in einem großem Kreis, um einen riesig großen Garte sind. Bei einem davon besteht die Möglichkeit es zu besuchen, um sich ein Bild über das Leben der Ordensbrüden machen zu können.DSC_0249

Pavia ist eine der wenigen italienischen Städte, die nicht an das Autobahnnetz angebunden sind. Die Studenten reisen offensichtlich lieber mit dem Zug ein. Auch diese Tatsache verleiht der Stadt eine ruhige ländliche Schönheit. Sollten Sie im Besitz eines großen Autos oder Karavan sein, könnten Sie auf dem Weg von Süden über Ticino Probleme bekommen. Hier ist nämlich die Straße nur für PKWs reserviert, mit einem größeren Wagen kommen sie zwischen den Barrieren einfach nicht durch. Große Wägen und Busse müssen durch die mittlere Spur fahren, wie sie zum Schlüssel kommen, damit Sie diese Spur öffnen können, weiß ich leider nicht.

Pavia ist sicher einen Besuches wert, besonders für Menschen, die Ruhe und Geschichte lieben. Der Aufenthalt hier ist ein echter Balsam für die Seele.DSC_0313

 

 

 

 

Brescia

Was wollt ihr dort tun? So haben mich meine italienischen Freunde gefragt, als ich ihnen mein Absicht diese norditalienische Stadt zu besuchen, mitgeteilt habe. Dort gibt es doch gar nichts! Eine Industriestadt, chaotisch wachsend am Fuß der Alpen, touristisch absolut uninteressant, so lautete  ihre Beurteilung. Ich ließ mich nicht verunsichern, mein Reiseführer versprach mir inmitten des Chaos von Brescia ein wunderschönes Stadtzentrum. Außerdem warnte er vor Unmengen an Schulausflügen. Wenn also so viele italienische Schüler die Stadt besuchen, muss dort etwas Interessantes sein, dachte ich mir. Ich hatte recht. Es gab dort tatsächlich Unmengen der Schulausflügen. Laute italienische Kinder mit noch lauteren italienischen Lehrern, die sich bemüht haben, dem unerzogenen Nachwuchs die glorreiche Geschichte ihres Landes beizubringen. Ich hatte für die Lehrer voller Verständnis. Wenn sie sich in ihren Klassen durchsetzen und etwas ihren Schützlingen mitteilen wollten, mussten sie eine Lautstärke von ungefähr 80 – 100 Dezibel entwickeln. Und sie wollten es. Wo sonst, wenn nicht in Brescia kann man so gut die historische Entwicklung Italiens – und nicht nur des nördlichen Italien – verfolgen.

Ich habe noch nie eine Stadt gesehen, die ihre Geschichte so schätzen und so stolz präsentieren würde. Brescia war in diesem Punkt absolut imposant. Das war der Grund, warum  herum die Schulausflüge überall liefen. Das war aber auch das einzige, was man als negativ bezeichnen konnte, ab und zu war es für ein alterndes Ehepaar (also für uns) ein wenig anstrengend. Sonst war ich aber glücklich, dass ich mich von dem Besuch dieser Stadt nicht abhalten ließ.

Brescia war einmal vor sehr langer Zeit eine gallische Ortschaft, bis sie von Römern eingenommen wurde. Bereits im ersten Jahrhundert vor Christus hatten die Bewohner des damaligen Brixia die bewährte italienische Taktik verwendet, die diese Nation noch immer nutzt und noch immer mit Erfolg. Es ist wirklich ein Phänomen. Egal auf welcher Seite Italien in den letzten zweihundert Jahren in einen Krieg eingetreten ist, es beendete den Krieg immer auf der Seite des Siegers. Und immer hat es etwas dazugewonnen, obwohl auf den Schlachtfeldern seine Soldaten von einer Niederlage in die nächste schlitterten. Brixia verwendete dieses Rezept bereits vor zweitausend Jahren. Im Krieg der Römer gegen ihre Verbündeten verwendete die Stadt eine abwartende Taktik, um sich dann den siegreichen Römern anzuschließen. Als Belohnung bekam die Stadt Rechte einer römischen Kolonie und die Stadt erlebte ihre erste Blüte. Später sorgte der Kaiser Vespasian für den Ausbau der Stadt, nach ihm blieb in der Stadt eine imposante Theaterruine. Nach dem Zerfall des römischen Reiches wurde Brescia zu einem der langobardischen Herzogtümer und gerade der letzte langobardische König Desiderius war vor seiner Wahl zum König Herzog von Brescia. Er gründete in seiner Residenzstadt ein Kloster San  Salvatore, das heute gemeinsam mit dem benachbarten Klosterkomplex der Heiligen Julia eines der wunderbarsten Museen darstellt,  dass ich in letzter Zeit besuchen durfte.

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Im zwölften Jahrhundert entstand in Brescia eine Kommune, die sich nicht dem Kaiser unterstellen wollte und deshalb als ein Mitglied der lombardischen Liga gegen Friedrich Barbarossa kämpfte. Gleichzeitig übte sich die Stadt im Hass gegen das nahe Bergamo. Im Kampf gegen Barbarossas Enkelsohn Friedrich II. erlitt Brescia gemeinsam mit Mailand eine vernichtende Niederlage bei Cortenuovo. Trotzdem weigerte sich die Stadt vor dem Kaiser bedingungslos zu kapitulieren, was zur Folge hatte, dass sich der Kaiser entschied, gleich im darauffolgenden Jahr die Stadt zu erobern und zu demütigen. Er wollte in Brescia ein Exempel statuieren. Brescia sollte die erste in der Reihe der niedergeschlagenen Kommunen sein. Der Brennerpass, den Brescia kontrollierte, war nämlich für den Kaiser von essentieller Bedeutung. Über den Pass konnten nach Italien deutsche Ritter strömen,  die sich im kaiserlichen Dienst auszeichnen  und Geld verdienen wollten und die von Italiener wie Teufel gefürchtet wurden. Die Bürger von Brescia fanden aber die richtige Verteidigungstaktik. Der Kaiser verpflichtete einen jungen genialen Ingenieur, der ihm ermöglichen sollte, die Stadtmauer zu überwinden. Als das die Bürger der Stadt erfuhren, besuchten sie diesen jungen Mann und boten ihm die Bürgerschaft der Stadt sowie auch die Ehe mit der Erbin eines der wichtigsten und reichsten Männer der Stadt an. Der junge Mann verstand richtig, wo seine Zukunft lag. Er nahm das Angebot an, heiratete und als der Kaiser vor der Stadt erschien, stand er bereits auf der Seite seiner Feinde und überraschte die kaiserliche Armee mit immer neuen überraschenden Verteidigungsideen. Der Kaiser konnte die Armee nur für sechs Wochen finanzieren – für mehr gab es kein Geld – er zog enttäuscht ab und die Sieger bauten zur Erinnerung des großen Triumphs das erste Rathaus aus Stein auf dem Hauptplatz – heute der Platz des Pauls VI.

Im Jahr 1311 waren die Brescianer weniger erfolgreich. Sie entschieden sich wieder einmal dem Kaiser nicht zu gehorchen. Diesmal war es der erste Luxemburger auf dem kaiserlichem Thron, Heinrich VII. Dieser ließ in der Anstrengung, die ungehorsame Stadt zu besiegen, nicht nach. Nicht einmal, als die Verteidiger der Stadt seinen Bruder Walram getötet hatten. Die Stadt musste letztendlich kapitulieren, die Stadtmauer wurden niedergerissen und die Anführer des Aufstandes hingerichtet.  Als aber der Sohn des Kaisers, der tschechische König  Johann der Blinde nach Italien einmarschierte, waren es gerade die Bürger der Stadt Brescia, die ihm als erste die Stadttore öffneten und ihn zum „Signore“ wählten, also zum Herrscher und Beschützer der Stadt. Johann blieb der Stadtherr sieben Jahre lang, dann aber, weil er immer leere Taschen hatte und Geld für seine Kriegführung brauchte, verkaufte er die Stadt an Visconti aus Mailand. Unter der Herrschaft von Mailand blieb Brescia bis zum großen Koalitionskrieg im Jahr 1428, danach kam es gemeinsam mit dem benachbarten Bergamo unter die Obhut von Venedig.

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Brescia ist eine große Baustelle. Schon deshalb, dass hier eine U-Bahn gebaut wird (für eine Stadt mit 200 000 Einwohner ist es ein sehr mutiges Projekt, aber einige Stationen funktionieren bereits und nach dem Besuch von Brescia begann ich mich zu fragen, warum so etwas nicht in einer Viertelmillionenstadt Graz möglich wäre, wo die Verkehrssituation möglicherweise noch katastrophaler als in Brescia ist). Mein GPS führte mich ins Stadtzentrum, dann kannte es sich aber im Gewimmel der Einbahnstraßen und Baustellen nicht mehr aus und überließ mich meinem Schicksal. Ich verdammte es und fand letztendlich einen Parkplatz am Rande des Stadtparks – wo einmal die Stadtmauer mit dem Graben stand. Von dort war es ins Stadtzentrum  nicht weit.

Der Hauptplatz heißt „Platz Pauls VI.“. Er heißt nach dem Papst, der als Joannes Battista Montini in der Nähe von Brescia geboren und in dieser Stadt zum Priester geweiht wurde. Er wurde hier zum Bischof und Kardinal und von hier wurde er dann im Jahr 1963 zum Nachfolger Johannes XXIII. gewählt. In der Kathedrale in Brescia hat er ein fiktives Grabmal und eine Statue. Und das, obwohl Paul VI. ein bisschen unglücklich als sogenannter „Pill pope“ in die Geschichte eingehen sollte. Papst Paul VI. hatte nämlich einen Zwangsbedürfnis in seinen Enzykliken zu allen, aus seiner Sicht für die Kirche wichtigen Themen, Stellung zu nehmen. Er publizierte sie mehrmals im Jahr und es waren z.B. „Über der Weg der Kirche in der heutigen Welt“ oder „Über das Zölibat“ usw. In seiner Enzyklika „Humannae vitae“ im Jahr 1968 trat er entschieden gegen die kontrollierte Schwangerschaft und Verhütung an. Es war eine Reaktion auf die Einführung der neuerfundenen hormonellen Verhütung, unter anderem ein Beweis, wie weit vom wirklichen Leben die damalige Kirche entfernt war.  Der Spott, den er dadurch ernte, brach ihn und er publizierte weitere zehn Jahre bis zum Ende seines Lebens keine Enzyklika mehr. Die Kirche besteht auf dem Standpunkt von „Humannae vitae“ bis heute, obwohl sie in diesem Punkt beinahe niemand mehr ernst nimmt.

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Paul war sicher ein konservativerer Papst als sein Vorgänger. Im Gegensatz zu ihm verweigerte er jede Verhandlung mit den kommunistischen Regimen und beharrte auf mehr Rechte für die Gläubigen in den Ländern des kommunistischen Blocks. Er war kein schlechter Papst, man kann den Stolz der Brescianer auf ihren Landsmann gut verstehen. Die Kathedrale hat aber außer seiner Statue und  der Hand des heiligen Benedikts, des Gründers des Ordens der Benediktiner und Patrons Europas, nicht viel zu bieten. Die Alte Kathedrale, die neben der neuen auf dem Hauptplatz steht und die durch ihre Mosaiken berühmt ist, ist am Montag und Dienstag geschlossen. Wir waren dort am Dienstag. Aber die alte Kirche ist auch beim Blick von außen faszinierend. Sie ist nämlich eine riesige Rotunde, architektonisch im Stil des frühen Mittelalters, in einer so riesigen Dimension habe ich eine Rotunde noch nirgends gesehen.

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Auch das Rathaus ist ein imposantes Gebäude mit einem großen Innenhof, es demonstriert die Macht einer reichen Stadt. Spätere Herren der Stadt, die Venediger, mochten aber nicht von diesem Gebäude aus herrschen, sie fühlten sich hier im Angesicht des Stolzes ihrer Untertanen nicht wohl. Sie bauten also auf einem anderen Platz ein neues Gebäude im Stil der Renaissance, nach diesem Gebäude trägt dann der Platz den Namen „Piazza de Lodgia“. Es handelt sich um den schönsten Platz in der Stadt und um einen der schönsten in Norditalien überhaupt. Imposant ist auch die „Via dei Musei“. Diese Straße beginnt bei einer von außen unauffälligen aber im Inneren wunderschönen Kirche, „Santa Maria della Caritá“. Dieses Kirchlein hätten wir ohne weiteres übersehen, hätten uns nicht die Bürger von Brescia auf dieses Juwel aufmerksam gemacht. Ich habe wirklich noch nirgends erlebt, dass die Einheimischen Touristen so eindringlich auf die Denkmäler der Stadt aufmerksam gemacht hätten und darauf aufpassten, dass den Besuchern nichts entging. Die Kirche ist ein echtes barockes Juwel mit einer bemerkenswerten Lorettokapelle hinter dem Altar, sie war sicherlich eines Besuches wert. Bei ihr beginnt dann die „Via dei Musei“. Eine enge Straße, flankiert mit Eingängen in die Renaissancepaläste. Nein, nicht mit Häusern, sondern wirklich nur mit Palästen aus der Zeit der Hochrenaissance, einer neben dem anderen. Alle aus der Zeit der Prosperität und des Reichtums der Stadt im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert. Mit Innenhöfen und dort dann – Ausgrabungen aus den römischen Zeiten. Wie uns ein freiwilliger Aktivist mit einem unglaublich gebrochenen Englisch kombiniert mit dem einfachsten Italienisch erklärte – nur damit wir ihn verstehen konnten – in Brescia ist es egal, wo man mit einer Grabung beginnt, in fünf Meter Tiefe stößt man immer auf Denkmäler und Schätze aus lang vergangenen Zeiten.

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Am Ende der Straße findet man das Stadtmuseum. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich ein so imposantes Museum der Stadtgeschichte irgendwo gesehen hätte. Es nimmt zwei Komplexe der alten Klöster ein,  eines davon, Kloster San Salvatore, stammt noch aus den Zeiten der Langobarden. Es wurde im achten Jahrhundert gegründet und die Kirche aus dieser Zeit blieb auch erhalten – es ist ein Juwel der frühromanischen Architektur mit hohen Bögen und Fresken (die sind natürlich jünger, im achten Jahrhundert kannte man die Kunst der Wandmalerei noch nicht). Bögen, die von Gotik noch keine Ahnung haben konnten, trotzdem spannen sie sich in mit Gotik vergleichbare Höhe. Das zweite Kloster der Heiligen Julia ist um einiges jünger. Aber wie ich schon sagte, egal wo man in Brescia mit den Ausgrabungen beginnt, überall trifft man auf Erinnerungen auf alte Zeiten. Also, als man unter dem Boden des Klosterns zu graben begann, traf man auf Häuser aus römischen Zeiten mit herrlichen Bodenmosaiken. Dieses „Haus des Dionysos“ nimmt jetzt einen Flügel des Museums ein und es ist dort streng verboten zu fotografieren. Die Kirche des Klosters der heiligen Julia ist ein wildes Gemisch aller möglichen Baustile, jede Zeit baute etwas dazu, das Ergebnis ist fast berührend. In Brescia wird man einfach durch die ganze Geschichte beginnend in der vorrömischen  bis zur modernen Zeit geführt. Das größte Juwel im Museum ist natürlich die Bronzestatue der beflügelten Siegesgöttin Viktoria, nach der sogar die Zentralstation der U-Bahn benannt worden ist. (Und auch der Platz mit einem unterirdischen Parkhaus, das ich bei meiner Anreise  in die Stadt vergeblich gesucht habe).

 

P1020844Nachher fanden wir eine herrliche Trattoria namens Mezzaria, wo wir sehr gut gegessen haben – der Magen war nach zwei Tagen des Fastens schon wieder bereit, Nahrung aufzunehmend und gab es mir durch einen Anfall des Heißhungers bekannt, der mich gerade Mitte in der Stadt erwischt hat. Nach dem Essen gingen wir in die Festung von Brescia. Es ist ein monumentales Gebäude auf einem der ersten Alpenhügel und es wurde im Jahr 1849 berühmt, als Brescia 10 Tage den österreichischen Truppen Widerstand leistete. In den Straßenkämpfen starb auch der österreichische General Nugent, bis mit den Aufständischen der in Tschechien zu Unrecht vergessene Landsmann Marschall Radetzky Ordnung gemacht hat. Für diesen Widerstand verdiente sich Brescia den Beinahmen „Die italienische Löwin“.

Das Gebäude der Festung ist riesig, es hat mehrere Stockwerke, eine ganze Reihe Verteidigungssysteme und Zugbrücken – nur das Museum fanden wir beim besten Willen nicht. Möglicherweise genau so vergeblich suchten es alle die Schulausflüge, von denen die Festung wieder einmal voll war. Nein, Brescia ist nichts für Menschen, die Ruhe und Stille suchen. Sonst war es aber eine sehr liebe Überraschung. So eine, dass wir ganz vergessen haben, das Hütchen für unsere Enkelin zu kaufen.

Wir erinnerten uns daran unterwegs nach Lovere. Natürlich brach im Auto Panik aus und es blieb mir nichts anderes übrig, als noch spät abends in ein Einkaufzentrum im Nachbartort zu fahren und dort einzuparken (was das Schwierigste war) und dann das Hütchen zu suchen. Ich habe versucht, meine Frau zu überzeugen, dass wir in einem Ort, der übersetzt „Fuchsküste“ heißt ( im Original „Costa volpino“) wahrscheinlich kein Hütchen für Kinder finden würden, da hier nur die Füchse „Gute Nacht“ sagen. Ohne Erfolg. Hoffnung stirbt halt zuletzt. Costa volpino bot aber mehr an, als ich erwarten konnte.  Wir suchten das ganze Einkaufzentrum durch, wir fanden ein Geschäft mit Kindersachen, mit sehr lieben Verkäuferinnen und großer Auswahl an Kinder- und Babysachen. Natürlich, das einzige, was sie nicht gehabt haben, war „Capellino“.

Dadurch mutierte unsere Reise nach Norditalien, egal wie erfolgreich sie aus der Sicht eines Historikers und Touristen war, zum absoluten Desaster. Die Hauptaufgabe wurde nicht erfüllt.

Ich werde den Leser nicht mehr auf die Folter spannen, das happy end darf ich ihm nicht verheimlichen. Capellino haben wir drei Wochen später in Paris im Kaufhaus Galerie Laffayette gekauft. Ich weiß nicht, wie weit meine Drohung, das Kaufhaus nicht zu verlassen, bevor das Hütchen nicht gekauft ist, dazu beigetragen hat, meine Frau erwies aber eine erstaunliche Trägheit. Sie beschäftigte zwei Verkäuferinnen mehr als halbe Stunde. Sie brachten uns einige Stücke aus dem Lager, da die richtige Größe nicht in den Regalen ausgestellt war. Dann aber kam der große Moment, wir hielten das Hütchen in der Hand und konnten es abholen.

Es kostete lediglich zehn Euro – so billig haben wir ein Gefühl eines absoluten Glücks seit langem nicht gekauft!

Bergamo

Wichtig ist, dass man den Namen richtig aussprechen kann. Meine Bergámo machte die Italiener offensichtlich nervös. Nachdem sie mich das fünfte Mal aufmerksam gemacht hatten, dass die Betonung auf der ersten Silbe liegt (also Bérgamo), begannen die sonst immer sehr toleranten und freundlich wirkenden  Gastgeber nervös und gereizt zu sein. Ich weiß nicht, ob ich mit der falschen Betonung vielleicht etwas Unanständiges gesagt hatte. Ich traute mich nicht zu fragen, ich passte aber danach sehr darauf, die erste Silbe zu betonen.

Alle unsere Bekannten lobten einstimmig meine Entscheidung, diese Stadt zu besuchen. Bergamo hat den Ruf einer schönen Stadt und bewirbt sich um den Titel der Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2019. Meine Erwartungen waren also dementsprechend hoch. Dann aber betrat die Szene ein Darmvirus.

Zuerst habe ich gedacht, das Mittagessen in Mailand würde von meinem Verdauungstrakt abgelehnt und damit Schuld an meinem Zustand sein. Bereits auf dem Weg aus Mailand musste ich ganz akut eine Toilette aufsuchen und das war natürlich Wasser auf die Mühle meiner Frau, die mir alle Meeresfrüchte (sie nennt sie Meeresungeheuer) aufgezählt hat, die ich als Vorspeise gegessen hatte. Ich liebe nämlich Meeresfrüchte, sie verträgt sie aber nicht. Als dann aber auch sie betroffen war und wir auch noch erfuhren, dass am gleichen Tag sogar unser Sohn an den gleichen Problemen litt, der Graz in Richtung Berlin am gleichen Tag verlassen hatte, an dem wir nach Italien aufgebrochen waren, musste auch sie zugeben, dass die Meeresungeheuer mit größter Wahrscheinlichkeit keine Schuld an unserem bedauernswerten  Zustand hatten. Schuld war ein böser Virus. Ein wirklich böser Virus.

Wir wohnten im Städtchen Lovere ( bitte auch Lóvere aussprechen) unter den Bergen über den See Lago d´Isolo. Auf der Landkarte kann man ihn zwischen Lago di Como und Lago di Garda finden. Er ist kleiner als diese zwei größeren und berühmteren Brüder, er ist aber nicht weniger schön. In der Mitte des Sees ragt ein Berg – also eine Insel – aus dem Wasser empor, natürlich mit einem Kloster auf der Bergspitze. Auch in Lovere gibt es eine riesige Kirche Santa Maria in Valvendra – für die Größe des Ortes absolut überdimensioniert. Bei ihr anzuhalten glich bei dem lokalen Straßenverkehr einem Selbstmordversuch, daher habe ich auf einen Besuch des lokalen Heiligtums verzichtet.

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Wir wohnten oberhalb der Stadt und sollten eigentlich eine schöne Aussicht auf den See und ihn umgebene Berge haben. Hatten wir nicht. Ich verbrachte die ganze Nacht sitzend mit der Aussicht auf das Waschbecken. In der Früh war ich nicht wirklich ausgeschlafen und mein Verdauungstrakt, obwohl er absolut leer sein musste, weigerte sich immer noch hartnäckig, etwas einzunehmen. Aber nicht einmal dieser erbärmliche Gesundheitszustand konnte uns vor der geplanten Reise nach Bergamo abhalten, an deren Ende sollte, wie schon bereits so viel Mal – der Kauf des „capellino“, also des Hüttchens für unsere Enkelin Veronika, sein.

Nach Bergamo zu kommen und hier einen Parkplatz zu finden ist wirklich kein Problem. Die Altstadt sieht man nämlich bereits aus der Ferne. Die so genannte „Obere Stadt – Citta alta“ ragt auf einem hohen Hügel über die moderne Stadt „Citta bassa“ in der Ebene empor und ist mit einem gut erhaltenen, fünf Kilometer langen, Mauerring aus dem sechzehnten Jahrhundert umgeben.

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Wir stellten das Auto ins unterirdische Parkhaus und brachen auf, sich vor der furchtbaren viralen Infektion zu retten, die uns bedrohte. Als erstes besuchten wir einen Supermarcato und kauften eine Flasche Grappa. Die Flasche machten wir gleich vor dem Geschäft auf (um zehn Uhr morgens!) und nahmen beide je einen ordentlichen Schluck aus ihr. Ich kam mir ein bisschen wie ein russischer „Muzik“ vor Gorbatschovs Reform vor, aber Schande hin oder her – es ging ums Leben. Grappa hat uns geholfen. Dank seiner Hilfe konnten wir durch die Stadt wandern ohne engmaschig intime Plätze aufsuchen zu müssen. Aufs Essen verschwendeten wir aber keinen einzigen Gedanken.  Das war möglicherweise schade. Wie ich bereits mehrmals erwähnte, ich liebe es, lokale Spezialitäten zu kosten und Bergamo ist durch eine solche berühmt.

Bergamo ist durch seine Küche in ganz Italien bekannt und nicht nur dort. Das Haupt- und meiner Meinung nach auch einzige lokale Gericht ist die Polenta. Der gut bekannte Brei aus Mais, hier aber salzig, süß, mit Zucker, mit Kakao und mit unterschiedlichsten Zutaten, einmal als ein Kuchen, dann wieder eine Torte, mit Fleisch, ohne Fleisch, gekocht und gebacken. Manche Geschäfte boten ausschließlich Gerichte aus Polenta an. Weil wir aber im Vorfeld gewarnt wurden, dass das Essen in Bergamo sehr üppig sei und unsere Mägen beinahe hysterisch bei der Vorstellung, dass sie auch mit dem leichtest verdaulichem Essen belastet werden könnten, waren, kosteten wir Polenta diesmal nicht. Vielleicht beim nächsten Besuch.  Bergamo zu besuchen, zahlt sich nämlich sicher aus.

Bergamo war immer eine reiche und stolze Stadt. Durch die Stadt führte nämlich eine Straße (durch unser Lovere) zu zwei strategisch wichtigen Pässen in den Alpen. Einer davon in Richtung Bolzano und dann weiter über den Brennerpass, der viele Jahrhunderte der Hauptweg aus Italien nach Deutschland war. Sollte aber ein Feind etwas gegen eine solche Reise oder einen Feldzug auf diesem Wege gehabt haben, gab es bei Bedarf eine Möglichkeit auszuweichen und über Splügenpass in die Schweiz und dann ins Rheintal und zum Bodensee zu gelangen. Dank dieser hervorragenden strategischen Lage kam es bald nach Ausrufung einer selbständigen „Signoria“ in der Hälfte des zwölften Jahrhundert zum Streit mit dem nahen Brescia. Brescia beanspruchte nämlich den Weg zum Brenner für sich. Aus diesem Grund finden wir in der folgenden Zeit Bergamo immer im Lager, das mit dem Lager rivalisierte, in dem Brescia Mitglied war. Im zwölften Jahrhundert kämpfte die Stadt als ein Mitglied der lombardischen Liga gegen Kaiser Friedrich Barbarossa und dieser Kampf endete – wie ich bereits im Artikel über Mailand erwähnt habe, mit einem Erfolg, nämlich dem Friedenvertrag von Konstanz im  Jahre 1183, in dem der Kaiser der Selbstverwaltung der italienischen Kommunen zustimmte. Im Jahre 1237 kämpften die Bürger von Bergamo auf der Seite des Kaisers Friedrich II. bei Cortenuovo, wahrscheinlich nur deshalb, weil Brescia auf der anderen Seite stand, nämlich in den Reihen der Lombardschen Liga unter Anführung von Mailand. Die Bergamesen konnten bei Cortenuovo den Sieg über den verhassten Nachbaren auskosten, die Freude war aber nicht von langer Dauer. Kaiser Friedrich II. verstarb im Jahr 1250, der Stamm der Staufen starb bald danach mit gewaltiger Hilfe des Papstes aus und im Jahr 1261 standen unter den Mauern von Bergamo vereinigte Armeen von Mailand und Brescia, die sich nach Rache sehnten.

Im Jahr 1264 musste Bergamo kapitulieren und einen Podesta aus Mailand akzeptieren. Sehr glücklich waren aber die Bergamesen unter dieser Herrschaft nicht. Die Rettung suchten sie bei der neuen kaiserlichen Dynastie der Luxemburger. Im Jahr 1310 halfen sie selbstverständlich Kaiser Heinrich VII. bei Eroberung von Brescia.  Als dann im Jahr 1331 der tschechische König Johann von Luxemburg (der Sohn Heinrichs) nach Italien einmarschierte, wählten sie ihn zu „Signore“ und erwarteten von ihm einen militärischen Schutz. Von dem lieben Johann konnte man alles Unheil der Welt erwarten, nur keinen wirksamen Schutz. Nach einigen Monaten gab er die Stadt auf, weil er sich gegen den Herrscher von Verona, Mastino II. de la Scala, nicht behaupten konnte. Danach kämpften um diese Region Mailand mit Venedig, bis nach dem Krieg der Großen Koalition im Jahr 1428 die Stadt auch mit dem benachbarten Brescia unter die Herrschaft von Venedig kam. Mit einer kurzen Pause in den Jahren 1509 – 1516, als sie von Franzosen eingenommen wurde, bleib die Stadt bis zum Jahr 1796 unter dem Schutz der Flügel des Löwen von Venedig. Den Marcuslöwen aus dem Wappen von Venedig trifft man hier sehr oft. Nicht nur auf dem barocken Eingangstor (geklebt absolut unpassend auf die mittelalterliche Stadtbefestigung, aber wie schon gesagt, Italiener reißen extrem ungern etwas nieder, was noch steht), aber auch auf dem Rathaus auf  der „Piazza Vecchia“ oder auf der Festung „La Rocca“.

Auf die „Citta alta“ kann man mit einer Seilbahn fahren und gleich nach dem Ausstieg öffnen sich vor dem  Besucher schmale Gassen steigend und fallend auf dem Hügel der Altstadt, mit Geschäften für Souvenirs und Polenta. So kamen wir auf die „Piazza Vecchia“. Der alte Platz hat es in sich. Er hat sogar zwei Kathedralen, ein Rathaus mit dem bereits erwähnten Marcuslöwen und eine Reihe weiterer schöner Gebäude.

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Als wir den Platz betraten, sprach uns gleich ein Mädchen namens Samuela an. Eine junge sympathische Italienerin mit unglaublich langen Haaren (sogar gebunden zu einem Pferdeschwanz reichten sie ihr immer noch bis unten ihren – schönen  – Hintern). Sie sprach uns englisch an, war aber bereit, mit uns auch auf Italienisch oder Deutsch zu kommunizieren, nach Bedarf. Sie bot uns eine Stadtführung an – eine Stunde einer intensiven Führung durch die Stadt für 35 Euro. Ich wäre fast einverstanden gewesen, Samuela war mir nämlich sehr sympathisch, Studenten soll man finanziell unterstützen und schon allein für ihre Sprachkenntnisse verdiente sie sich eine Belohnung. Meine Frau war aber dagegen. Ich weiß nicht, ob ihr Samuela viel zu anziehend vorkam, um mit ihr eine ganze intensive Stunde verbringen zu dürfen, aber im Grunde hatte sie Recht. Unsere Magen- und Darmlage war nicht so weit stabil, um die Stunde mit Samuela wirklich in Ruhe genießen zu können.

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Meine liebe Gattin wendete eine ganze Artillerie von Argumenten an, eines davon war, dass man für 35 Euro ein so schönes Hütchen für unsere Enkelin kaufen könnte, dass sie von allen beneidet würde. Außerdem zeigte sie Bereitschaft, sofort und auf der Stelle die Altstadt zu verlassen und in der Zeit meines Spazierganges mit Samuela durch die Stadt nach „Citta Bassa“ zu gehen und dort Shopping zu betreiben. Im Grunde genommen war das auch keine ganz schlechte Idee, aber in Betracht der Tatsache, dass sich die lebensrettende Flasche mit Grappa in ihrer Tasche befand, gab ich schnell auf. Die Stadtbesichtigung absolvierten wir allein und ohne diese hübsche Begleitung.

Ohne Führer konnten wir zumindest unser Tempo der Stadtbesichtigung selbst bestimmen und sich wirklich nur auf die Zeugen der alten berühmten Vergangenheit der Stadt konzentrieren. Das schönste, was zu sehen war, war die Basilika Santa Maria Maggiore, gebaut bereits in der Mitte des zwölften Jahrhunderts. Weil auf dem Hügel von Bergamo für eine übliche Kirchenfassade nicht genug Platz war, hat die Kirche zwei kleinere Fassaden, aber ganz ungewöhnliche, die Säulen werden von weißen Löwen im Süden und von roten Löwen im Norden getragen. Das Innere der Barockkirche ist vollständig mit Gobelins geschmückt. Ich gebe zu, dass ich noch nichts Ähnliches gesehen hatte, es war aber imponierend. Jeder Quadratzentimeter war mit kostbaren Teppichen mit biblischen Motiven überdeckt.

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Die Kirche hatte einmal fünf Apsiden. Im Jahr 1470 entschied ein erfolgreicher Condotierre Bartolomeo Colleoni fünf Jahre vor seinem Tod, sich ein Grabmal bauen zu lassen und reservierte sich dafür den schönsten Platz in der Stadt. Bedauerlicherweise stand auf diesem Platz die Kathedrale. Weil aber Colleoni während seiner militärischen Karriere genug Geld gesammelt hatte, geschah ein Unglück. Die Kathedrale wurde von einem Feuer heimgesucht und eine der Apsiden wurde vollständig zerstört, glücklicherweise gerade die, in der Colleoni sein Grabmal haben wollte. Also hat er es dort. Im Krieg der siegreichen Partei beizutreten war offensichtlich immer ein ertragreiches Unternehmen.

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Der Duomo von Bergamo imponiert zwar durch seine Größe, aber das schroffe klassizistische Gebäude kann der Basilika Santa Mari Maggiore nicht das Wasser reichen. Auf dem höchsten Punkt der Altstadt im Norden befindet sich ein Priesterseminar, das den Namen Johannes XXIII. trägt. Giuseppe Roncali war nämlich Rektor in diesem Seminar bevor er Patriarch von Venedig und in weiterer Folge im Jahr 1958 Papst wurde. Der so genannte „Il Papa buono“ also “der gute Papst“ war mit Bergamo eng verbunden. Er wurde in der Provinz von Bergamo in Sotto Il Monte geboren, in den Jahren 1904 – 1915 war der Sekretär des Bischofs von Bergamo, Radini-Tedeschi und unterrichtete im Priesterseminar kirchliche Geschichte. Erwähnungswert ist vieleicht auch die Tatsache, dass nach seinem Tod im Jahr 1963 zu seinem Nachfolger der Bischof aus der verfeindeten Nachbarstadt Brescia, Giovanni Battista Montini, gewählt wurde, bekannt unter seinem päpstlichen Namen Paul VI.

Den Abschluss unseres Ausfluges ließen wir in der Stadtfestung La Rocca (Also „der Felsen“)ausklingen. Die massive Festung aus dem fünfzehnten Jahrhundert auf eine Anhöhe im südlichen Teil der Altstadt mit wunderschönen Aussichten über die Altstadt wurde zu einem Park umgewandelt, in dem es eine Ausstellung des italienischen antifaschistischen Widerstandes gibt.  Also im Grunde die Geschichte des zweiten Weltkrieges aus italienischer Sicht  und zwar nach dem Jahr 1943, als die Italiener erfolglos  versucht hatten, Mussolini loszuwerden und die  klassische italienische kriegerische Taktik anzuwenden, – nämlich sich der siegenden Partei anzuschießen. Diese bewährte Taktik ging diesmal nicht vollständig auf, mit Deutschen es ist nicht ratsam sich zu verscherzen.  Sie schickten Oberst Skorzeny um Mussolini zu befreien und dann überrollten sie die italienischen Einheiten, die ihnen Widerstand leisten wollten, egal wo sie sich gerade befanden. Nur auf der Insel Kefalonia(die damals von Italien okkupiert war) wurde zehntausend italienische Soldaten als Verräter erschossen (darüber hat der Film „Corellis Mandoline“ mit Nicolas Cage und Penelope Cruz in den Hauptrollen erzählt). Als ich die im Park von Bergamo ausgestellten italienischen Waffen gesehen habe, verstand ich, dass die Italiener gegen deutsche Panzer keine Chance hatten. Übrigens, mit gleichen Panzer italienischer Herkunft wurde auch die Österreische Armee ausgerüstet.

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Ach so, wie ging die Sache mit „Capellino“ aus? In der Altstadt von Bergamo gibt es ausschließlich Geschäfte mit Souvenirs und Polenta. Wir haben zwar ein Geschäft mit Kleidung entdeckt, aufgrund der in Schaufenstern ausgestellten Ware trauten wir uns nicht einmal zu fragen, ob es dort „Capellino“ geben könnte. Die untere Stadt von Bergamo ist überhaupt nicht verlockend, um dort zu bummeln und nach einem Kleidungsgeschäft zu suchen. Also beschlossen wir einstimmig, dass der Kauf von „Capellino“ verschoben wird. Am nächsten Tag sollten wir doch nach Brescia fahren. Die Hoffnung blieb also am Leben.

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Mailand

Mailand ist ein bisschen anderes Italien. Ein normaler Mailänder hängt in seinem täglichen Zeitplan hinter nach genau wie ein Römer oder Neapolitaner, in Unterschied zu den zwei genannten merkt man das aber an ihm. Er flucht im Stau, hupt, ärgert sich und seine Parole ist „veloce, veloce.“ Es hilft ihm zwar nicht, er ist überall zu spät ebenso wie seine südlichen Kollegen, er erlebt es aber ganz anders.

Natürlich sind auch die Mädchen von Mailand gleich wie alle Italierinnen verpflichtet „fare la bella figura“ also gut auszusehen, aber wenn eine römische „donna“ auf ihren high heals  nobel schreitet, die mailändische „bella“ in den gleichen Schuhen mit hohen Absätzen läuft.

Mailand ist mit 1,3 Millionen Einwohner kleiner als Wien und hat ein perfekt ausgebautes U-Bahnnetz. Trotzdem kämpft man sich vormittags besonders zwischen acht und neun nur sehr schwer durch die mit eilenden Italienern überfüllten und gestauten Straßen und in dieser Zeit mit Auto in die Stadt aufzubrechen ist für einen Unerfahrenen einem Selbstmordversuch gleichzusetzen. Eine absolut andere Situation ist dann aber am Samstag oder Sonntag. In dieser Zeit sind die Straßen beinahe leer. Die Mailänder weilen in ihren Wochenendedomizilen. Für die Ankunft in die Stadt empfehle ich also dringend Samstag oder Sonntag, bei uns hat sich das wirklich ausgezahlt.

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Die U-Bahn ist, wie ich schon erwähnte, sehr gut ausgebaut, aber Achtung! Die Italiener sind wahre Meister in der Erzeugung von Chaos. Wenn die Ticketautomaten zusammenbrechen, treiben sie die Menschen in die U-Bahn durch eröffnete Korridore mit der Behauptung, dass man in diesem Fall kostenlos reisen dürfte. Einen Hacken gibt es aber schon, nämlich die U-Bahn kann man dann ohne gültiges Ticket nicht mehr verlassen und muss eine Karte für Austritt kaufen, die anstatt 1,50 volle 5 Euro kostet. Also nehmen Sie ihnen diesen Trick nicht ab (uns ist das passiert). Am besten ist gleich eine Eintage- oder Zweitagekarte zu kaufen (Drei- oder längere Karten gibt es nicht), so hat man zumindest für bestimmte Zeit ausgesorgt und ist nicht der Laune der Automaten ausgeliefert.

Bitte, nicht vergessen – die mailändische Straßenbahn. Sie ist ein echtes mailändisches Phänomen!  Manche Wägen sind ganz modern, andere könnten sich noch auf den Kaiser Franz Joseph erinnern. In Italien – und damit auch in Mailand – wird nichts weggeworfen, solange es nicht spontann zerfällt. Einfach köstlich!

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Ein echter Mailänder ist auf seine Stadt gehörig stolz und hält sie für ein kulturelles Zentrum vom gesamten Italien (wenn nicht vom ganzen Universum). Er ist bereit nur mit Zähneknirschen Rom als Hauptstadt Italiens anzuerkennen, Turin hält er für ein überwuchertes Dorf mit einer Automobilfabrik und aus dem ganzen italienischen Süden würde er einen Naturpark einrichten. Dass die Könige von Savoyen einmal zu ihrem Königsreich auch Neapel und Sizilien angeschossen haben, ist in den Augen eines Mailänders ein unverzeihliches Verbrechen, besonders auch deshalb, weil diese Anstrengungen ihren Ursprung in Turin gefunden hatten. (Übrigens, der Ministerpräsident Cavour hatte überhaupt nicht im Sinne, diese Teile des Landes anzuschließen und als er Garibaldi mit seinen tausend roten Hemden nach Süden geschickt hatte, hatte er gehofft, dass ihn Sizilianer umbringen würden und er hätte dann von dem unbequemen Revoluzzer seine Ruhe). Es ist deshalb ein guter Brauch sich in Galleria Vittorio Emanuelle II. dreimal auf dem Stier im Wappen der Stadt Turin, der dort auf dem Boden dargestellt ist, mit der Ferse zu drehen – besonders dann, wenn man vor hat, noch einmal Mailand zu besuchen. Bei uns hat es funktioniert.

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Es ist aber objektiv anzuerkennen, dass der mailänder Stolz berechtigt ist, ob es um die Geschichte oder um die Gegenwart geht. Das alte Mediolanum war sogar einmal die Hauptstadt des Römischen Reiches, in dem vierten Jahrhundert entwickelte sich dann unter der Führung von Bischof Ambrosius (337 – 393) zu einem der bedeutendsten Zentren des Christentums. Pikant ist, dass Ambosius aus heutigem Deutschland stammte (er wurde in Trier geboren), und als er zum Bischof von Mailand gewählt worden ist, war er nicht einmal getauft. Weil er ein gebildeter Beamte war, ist es ihm gelungen, die im Zerfall sich befindende Verwaltung der Stadt zu übernehmen und die politische Lage zu stabilisieren. Die Kirche San Ambrosio verdient wirklich seinen Namen. Erstens war es der heilige Ambrosius hochpersönlich, der den Anlass zur Bau dieser Kirche in den Jahren 379 – 386 gegeben hat und er ist hier auch begraben.

Nach dem Fall des Römischen Reiches fiel Mailand für eine bestimmte Zeit in Bedeutungslosigkeit. Es wurde von den Residenzstädten der Ostrogoten und Langobarden, also Ravenna, Verona oder Pavia überholt. Aber im elften Jahrhundert führte Mailand bereits die Liga der norditalienischen Kommunen, die nach einer Unabhängigkeit von der kaiserlichen Macht strebten.1027 ließ sich noch der Kaiser Konrad, verärgert über das naheliegende Pavia, in Mailand zum italienischen König krönen. Zu einem offenen Streit mit dem Kaiser, dem neugewähltem Friedrich Barbarossa, kam es im Jahr 1154. Mailand eroberte das nahe Como und Lodi und im Jahr 1152 entzog Mailand Lodi das Marktrecht. Patrizier dieser Stadt beschwerten sich beim Kaiser und dieser befiel den Mailändern, ihre Entscheidung rückgängig zu machen. Und die wagten es, das kaiserliche Dekret vor den Augen des kaiserlichen Gesandten auf den Boden zu werfen und sein Siegel mit Füßen zu zertreten. Eine größere Beleidigung des Kaisers gab es gar nicht und eine logische Folge dieses Vorfalles war ein Krieg. Mailand hat gegen das Versprechen einer Straflosigkeit kapituliert und Barbarossa ließ sich in nahem Pavia zum König krönen. Aber Mailand hörte nicht auf, den Kaiser zu ärgern. Im Jahre 1158 mussten seine Gesandten heimlich aus der Stadt flüchten, weil sie von den Bevölkerung mit Steinen beworfen worden waren, als sie die Wahl der Stadtkonsulen nach dem Willen des Kaisers zu beeinflussen versucht hatten. Barbarossa brach im Jahre 1160 wieder nach Italien auf und diesmal meinte er es wirklich ernst.  Die unbelehrbaren Störfriede wollte er nicht nur bestrafen, sondern vernichten. Nach Italien wurde er auch von tschechischen Hilfstruppen des Fürsts  Wladislaw begleitet, der für diese Hilfe zum König gehoben worden ist. Die Belagerung der Stadt hat über zwei Jahre gedauert. Die Tschechen haben sich vor der Mauern von Mailand einen Ruf der Kannibalen verdient – um die Verteidiger der Stadt zu erschrecken, machten sie aus dem Teig Figuren im Gestalt kleiner Kindern und die backten sie in den Lagerfeuern vor den Mauern der belagerten Stadt. Es ist den Tschechen sogar gelungen, einmal in die Stadt einzubrechen, weil sie aber keine Unterstützung bekommen haben, mussten sie wieder schnell flüchten, bevor vor ihnen das Tor geschossen werden konnte – der Freiherr von Pardubice schaffte es im letzten Moment, eine Hälfte seines Pferdes ist in der Stadt geblieben abgeschnitten durch  das Gitter. Die Hälfte, die er doch mitgenommen hatte, hat die Stadt Pardubice bis heute in ihrem Stadtwappen.

Die Stadt wurde letztendlich eingenommen, gedemütigt, ihre Mauer niedergerissen, die Bevölkerung vertrieben und Barbarossa glaubte, seine Sorgen seien weg und vorbei. Es war ein Irrtum. Mailand ist aus der Asche auferstanden und in seinem vierten italienischen Feldzug erlitt der Kaiser am 29.Mai 1176 in der Schlacht bei Legnano eine katastrophale Niederlage aus der er sich nie mehr erholen konnte. Letztendlich war er gezwungen, mit den rebellierenden Städten im Jahr 1183 einen Frieden in Konstanz zu schließen, bei dem er ihre Eigenständigkeit und sie wieder seine formale Oberhoheit gegenseitig anerkannt haben. Norditalien hat sich im 13. Jahrhundert in zwei Lager geteilt, die Guelfen, die sich auf die Macht des Papstes stützten und die Ghibellinen, die die kaiserliche Macht unterstützten. (Übrigens die Montek – Montegue in Verona waren Ghibellinen und die Capulets Guelfen und so ist das Drama um Romeo und Julia entstanden)Mailand blieb das führende Glied des Lagers der Guelfen, der Stützpunkt der Ghibellinen war das naheliegende Cremona. Weil heutzutage Mailand 1,3 Millionen und Cremona 70 000 Einwohner hat, ist ziemlich klar, wer in diesem Kampf gewonnen hat. Noch einmal musste Mailand um seine Existenz zittern. Im Kampf zwischen dem Enkel von Friedrich Barbarossa Friedrich II. und dem Papst stand Mailand traditionell auf der päpstlichen Seite, eigentlich gerade wegen dieser Stadt belegte der Papst Gregor VIII. den Kaiser mit seinem Kirchenbann. Im Jahre 1237 erlitt der Verbund der lombardischen Städte eine vernichtende Niederlage bei Cortenuovo, sogar der mailändische Flaggwagen „caroccio“ fiel in die Hände des Kaisers. Mailand war bereit zu kapitulieren, der Kaiser zeigte sich aber unerbittlich und wollte die Stadt noch gründlicher als sein Großvater vernichten. Die Mailänder meinten, dass es eigentlich schlimmer gar nicht mehr werden könnte,  verschanzten sie sich hinter den festen Mauern der Stadt und warteten ab, wie es weitergehen würde. Es ging gut für sie aus. Der Kaiser erlitt eine entscheidende Niederlage bei Parma im Jahre 1248 und zwei Jahre später verstarb er. Die Staufen, Erzfeinde der Päpste und Mailands starben im Jahre 1268 aus und einem Aufstieg der Stadt stand nichts mehr im Wege. Im Jahre 1295 übernahm die Macht in der Stadt Matteo I. Visconti. Als ihn die Bürger im Jahr 1302 aus der Stadt vertrieben hatten, wechselte er die Seiten, wurde zu einem entschlossenen Ghibellin und ließ sich vom Kaiser Heinrich VII. wieder einsetzen. Seit diesem Moment bestimmte die Familie Visconti das Geschehen in der Stadt und ihr Wappen mit der einen Heiden schluckende Schlange findet man in der Stadt beinahe überall.

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Gian Galeazzo II. Visconti erreichte im Jahre 1395 einen Herzogtitel, der dann vom Kaiser Sigismund am Konzil von  Konstanz seinem Sohn Philipp Maria bestätigt wurde. Im Jahr 1386 gab er den Befehl zum Bau des Mailänder Domes, eines der größten Gotteshäuser im Europa.

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Nach der Vorstellung des Herzogs sollten in der Kirche alle damaligen 30 000 Einwohner der Stadt Platz finden. Bis der Bau allerdings einige Jahrhunderte später vollendet worden ist, hatte die Stadt natürlich viel mehr Einwohner und somit scheiterte die Absicht des Herzogs. Der Dom ist aber bis heute eine imposante Dominante der Stadt mit einer wunderschönen gotischen Fassade und einem dunklen, fast die Angst einjagenden, Inneren. Die gigantischen, das Gewölbe des Domes tragende  Pfeiler sind nichts für Klaustrophobe.

Allerdings gerade auf dem Gipfel der Macht zogen sich über die Familie Visconti dunkle Wolken zusammen. Philipp Maria hatte keinen Sohn, nur eine Tochter Namens Bianca Maria. Um die Zukunft seines Herzogtums zu sichern, verheiratete er sie mit seinem fähigsten General Francesco Sforza und nicht einmal dessen uneheliche Herkunft schreckte ihn ab. Sforza kämpfte erfolgreich für Mailand gegen Venedig und für Venedig gegen Mailand. Er kämpfte im Sold des Papstes, um ihn dann aus Emilia Romagna zu vertreiben, er war kurz gesagt zu allem fähig und das war die beste Empfehlung.

Es war eine richtige Wahl. Nach dem Tod von Philipp Maria im Jahr 1447 musste sein Nachfolger zugleich an drei Fronten kämpfen. Direkt in Mailand versuchten die Widersacher der Viscontis eine „Ambrosianische Republik“ auszurufen, in den umliegenden und von Mailand unterdrückten Städten erwachten die Bestrebungen nach Selbständigkeit und die Schwäche von Mailand wollte natürlich auch der größte Gegner (im Grunde genommen der letzte, der in Italien noch übrig geblieben war)- Venedig, nutzen. Ein Zerfall des Imperiums von Mailand wäre der Serenissima sehr gelegen gekommen. Francesco Sforza zeigte sich als der richtige Mann an der richtigen Stelle. Die Demokraten in Mailand vernichtete er mit einem Schlag, sehr schnell unterdrückte er auch die Bestrebungen nach Selbständigkeit in den umliegenden Kommunen. Venedig erwies sich aber doch als eine härtere Nuss. Seine Bestrebung nach Vernichtung von Mailand hatte einen vierjährigen Krieg zufolge, der dann mit einem Frieden von Lodi vom 9.April 1454 endete. In diesem Frieden teilten sich Mailand und Venedig definitiv die Machtbereiche und es konnte endlich eine Ära des Friedens und der Prosperität beginnen. In Mailand konnte die Epoche der Sforzas beginnen, die berühmteste Epoche schlechthin. Francesco Sforza ließ am Rande der Stadt eine riesige Festung  Castello Sforzesco  bauen, diese war eher als Schutz vor eigenen Bürgern als vor einem fremden Feind gemeint.

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Die Festung ist auch heutzutage eines Besuches wert, als ein Kleinod wird hier die Pieta von Michelangelo aufbewahrt, die der alte sterbende Künstler nicht mehr vollenden konnte. Michelangelo begann seine Karriere mit einer Pieta (die schuf er für die Kirche des heiligen Petrus im Rom) und mit der Pieta in Mailand hat er seine Karriere beendet. Der ältere Sohn von Francesco Sforza Galeazzo Maria wurde im Mailänder Dom ermordet, die Macht übernahm sein Bruder Ludovico, der für die dunkle Farbe seiner Haut „il Moro“ genannt wurde. Wer weiß, mit wem ihn seine Mutter Bianca Maria hatte. Ludovico ließ seinen Neffen Gian Galeazzo (den Sohn von Galeazzo Maria) einkerkern und im Jahr 1494 vergiften. Ab diesem Moment war seine Macht über die Stadt nicht mehr angreifbar. Seit dem Jahr 1482 wirkte in der Stadt Leonardo da Vinci. Er verbrachte viele Jahre in  Mailand unter dem Schutz von Ludovico Sforza, eigentlich den Großteil seines schöpferischen Lebens. Er hinterließ das Bild der Geliebten von Ludovico Cecilia Gallerani (berühmt unter dem Namen „Die Dame mit Hermelin“) und das von Mythen umgebenes „Das letzte Abendmahl“  in der Kirche Santa Maria delle Gracie.

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Das Buch von Dan Brown „Sakrileg“ löste eine unglaubliche Hysterie aus. Heute kann man also das Fresko nur nach einer Reservierung besuchen. Wenn man Glück und Ausdauer hat, könnte man im Internet eine Karte für 12 Euro erbeuten. Sonst bleibt dem Menschen nichts anders übrig, als eine Karte um 68 Euro zu kaufen, die mit einer dreistündlichen Führung durch Mailand verbunden ist. Uns blieb also nichts anders übrig. Signorina Donatella, deren Englisch einem Maschinengewährfeuer gleich kam, und der andauernd starker Regen machten aus diesem Besuch ein unvergessliches aber erschöpfendes Erlebnis. Über Leonardo werden Sie in Mailand auf jedem Schritt und Tritt stolpern. Neben dem „Letzten Abendmahl“ in Santa Maria delle Gracie ist das seine Statue auf dem Piazza Scala oder ein Museum in Galleria Vittorio Emanuelle II, das seinen Forschungen und Projekten gewidmet ist. Obwohl gerade das größte Projekt, weswegen er nach Mailand überhaupt gekommen war, eine riesige Reiterstaue  von Francesco Sforza – gibt es nicht. Angeblich ließ Ludovico Sforza aus der für die Statue bereitgestellte Bronze Kanonen für den nahenden Krieg gegen die Französen gießen.

Der Reichtum von Mailand rief nämlich die Mächtigen der damaligen Welt auf den Plan. Den ersten Versuch des französischen Königs Karl VIII. gelang es noch abzuwehren. Sein Nachfolger Ludwig XII. nahm aber die Stadt ein und Ludovico starb in seiner Gefangenschaft. Söhne von Ludovico haben es noch mit wechselndem Erfolg versucht, den Herzogsthron zu erobern, zuletzt fiel aber Mailand dem Kaiser Karl V. zu und in weiterer Folge an Spanien. Die Familie Sforza starb aber nicht aus, ein Mitglied der Familie Francesca Riario-Sforza heiratete im April 2017 im Schloss Murau den Kronprinz Johann von Schwarzenberg, genannt Aki.

Im Jahre 1708 nahmen die Stadt in Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges österreichische Einheiten ein und in den Friedenverhandlungen im Jahr 1714 blieb die Lombardei bei Österreich. Aus dieser Zeit stammt das legendäre Opernahaus „La Scala“. Ein Gigant mit sechs Balkons wurde feierlich im Jahr 1778 eröffnet, übrigens durch eine Oper des im Film Amadeus von Milos Forman dehonestieren Antonio Scallieri „Europa riconosciuta“.  La Scala besitzt auch ein eigenes Museum, also wenn man keine Eintrittskarte für eine Oper bekommen konnte (mit ein bisschen Glück kann man im Internet eine Karte knapp über 100 Euro mit „eingeschränkter Sicht auf die Bühne“ kaufen), kann man zumindest das Museum besuchen. Der eigenartiger Name der Oper (bedeutet „die Stiege“) stammt aus der Tatsache, dass auf diesem Platz, wo dieses gigantischen Opernhaus entstehen sollte, einmal eine Kirche „Santa Maria alla Scalla“ stand.

Im Jahr 1860 wurde Mailand dem italienischen Königsreich angeschlossen. Grundsätzlich hätten die Mailänder gegen diese Tatsache keine Einsprüche gehabt, wenn diese Einigung nur nicht aus dem verhasstem Turin ausgegangen wäre.

Mailand ist eine Stadt der Kultur und der Mode. In Galleria Vittorio Emanuelle II.  befinden sich Modemarken Fratelli Prada, Versace und der berühmteste aller Mailänder ist natürlich „the new king of Milan“ Giorgio Armani. Dieser hat in der Nähe des Genuatores sogar ein eigenes Museum.        Man kann natürlich für ein unchristliches Geld direkt im Stadtzentrum einkaufen (direkt neben der Kathedrale gibt es ein Kaufhaus „La Rinascente“ voll mit luxuriösen Marken und mit einer Aussichtsterrasse mit einem Cafe  im obersten Stock. Man kann zwar von der Terrasse nicht viel sehen, da sie aus Sicherheitsgründen mit hohen und dicken Glastafeln umgeben ist, man könnte hier aber essen (4 Raviolli für 16 Euro).  Es gibt aber  Gott sein dank Alternativen, wo man in Mailand schöne und elegante Ware für erschwingliche Preise kaufen könnte. Es ist in erster Linie Corso Buenos Aires zwischen der U-Bahn Stationen Porta Venezia und Lima, oder die Gegend zwischen Porta Genova und San Agostino. Für Jugend kann dann die Gegend um die U-Bahn Station Lambrate interessant sein, wo sich moderne Designers niedergelassen haben. Und sollte man Lust und gute Beine haben ( es ist von der U-Bahn doch ziemlich entfernt) und natürlich auch feste Nerven, könnte man es in Salvagente in Via Bronzetti 16 versuchen, wo sich ein Outlet der berühmten Marken befindet und wo man Prada oder Versace für die Hälfte des normalen Preises kaufen könnte – auch wenn es auch dann nicht gerade billig ist.

Bildung spielt in Mailand vielleicht nicht so eine zentrale Rolle wie zum Beispiel in Pavia, das Geld ist hier wichtiger. Trotzdem hat Mailand eine eigene große Universität, in einem bemerkenswerten Gebäude, gebaut in einer kuriosen Mischung unterschiedlichen Baustils – in Italien wird einfach nichts niedergerissen, es wäre doch schade.

Um so mehr litt Mailand im zweiten Weltkrieg dadurch, dass durch Fliegerbomben 45 % der Bausubstanz vernichtet worden ist. Anschriften „US“ (Uscita sicurenza) also ein Ausgang aus einem Schutzkeller findet man auf manchen Häuser noch heute. Die Leiche des von Partisanen hingerichteten Benito Mussolini wurde in Mailand auf der Piazza Loreto ausgestellt. Einen noch größeren Schaden, besonders dann die Vernichtung des Doms, konnte durch eine Verhandlung mit Alliierten Erzbischof von Mailand Alfredo Ildefonso Schuster verhindern, der im Jahr 1996 für selig gesprochen worden ist. Diese Seligsprechung war umstritten. Schuster stand nämlich dem faschistischem Regime sehr nahe und bis zum letzten Moment versuchte er das Leben von Mussolini zu retten – also ihn zu einer Kapitulation zu bewegen. Gerade durch das Versprechen, dass er Mussolini zur einer Kapitulation überreden würde, hat er einen direkter Angriff der Alliierten an Mailand, die Hauptstadt der sogenannten „Italienischen sozialer Republik“ wo Mussolini unter der deutschen Aufsicht seit 1943 „herrschte“, verhindert.

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Mailand – das ist natürlich auch Fußball. Ohne ihn kann kein Italiener leben. „Calcio“ ist ein Kult und wenn die „Serie A“ gespielt wird, findet man in keiner Bar einen freien Platz, weil alles reserviert wird. (Sonst ist die Bierauswahl in Mailand überraschen groß, man findet hier auch z.B Pilsner Urquel in einer erstklassiger Qualität). Mailand hat sogar 2 Fußballvereine und damit auch zwei unversöhnliche Fangruppen. Aber sowie „AC“ wie auch „Inter“ litten die letzten Jahre gewaltig dadurch, dass im italienischen Fußball bereits seit Jahren der Gegner aus dem „überwucherten Dorf mit der Automobilindustrie“ Juventus Turin an der Spitze steht. Wie schön musste für sie sein, als AC Milan im  Jahre 2003 im Finale der Meisterleague Juventus besiegt hatte.

Mailand ist also ein bisschen anderes Italien und ist sicher eines Besuches wert. Mailänder lernt man schnell lieben, gerade für ihre Schwächen und Vorurteile. Mailand ist eine teure Stadt und das Leben hier ist für die Einheimischen anstrengend. Es ist aber eine erfolgreiche Stadt, ein Mensch, der hier überleben will, muss etwas können und wollen. Möglicherweise gerade das treibt  die lombardische Metropole weiter voran.

Beinahe hätte ich vergessen – „Capellino“!

Natürlich haben wir es nicht gekauft. Wo in Mailand, bitte? Bei Versace, bei Gucci, Armani oder Dolce e Gabbana? Hütchen für sechs Monate alte Babys waren dort nicht am Lager, oder haben wir es zumindest nicht gefunden. Ehrlich gesagt, wir haben es auch nicht besonders intensiv gesucht. Meine Frau zeigte sich aber nicht besonders enttäuscht. Unser Ausflug sollte uns am nächsten Tag nach Bergamo führen. Dort werden wir das „Capellino“ ganz sicher kaufen können. Und so verließen wir Mailand in einer guten und optimistischen Stimmung, fest entschlossen das Hütchen in Bergamo definitiv  zu kaufen. Aber darüber ein anderes Mal.

Die Reise nach Turin

Italienische Impressionen

Ich habe mich entschieden, auf meiner Webseite meine Reiseberichte aus Italien zu publizieren. Sie sind – wie es meinen Interessen entspricht, historisch orientiert, aber es ist ein Gemisch von der Geschichte der Städte, der Sehenswürdigkeiten, Reisetipps und unseren Erlebnissen. Einfach etwas für ein paar entspannten Minuten und vielleicht auch etwas zum Lachen oder zumindest zum Lächeln, ich hoffe, dass jeder in den Artikeln, die in zweiwöchentlichen publiziert werden sollten, etwas findet, was ihm gefallen wird.

Als erste:

Die Reise nach Turin

Als wir uns wieder einmal entschieden hatten, Italien zu besuchen, und zwar seinen nördlichen Teil, den ich bisher nicht kannte, begrüßte ich diesen Plan mit Begeisterung. Damals hatte ich allerdings keine Ahnung, dass das Hauptziel dieser Reise der Kauf eines Hütchens für unsere Enkelin Veronika – oder wie es die Italiener entzückend nennen – „capellino“ war. Ein einfacher Vorwand für diese Reise um „capellino“ war ein Seminar meiner Frau über Lungenkrebs. Ich dachte naiv, dass es der wirklich wahre Grund unserer Reise wäre. Die Wahrheit über „capellino“ erfuhr ich erst vor Ort, als es keinen Weg zurück mehr gab.

Wir reisten mit dem Auto. Ich konnte mich mittlerweile an die Fahrweise der italienischen Autofahrer gewöhnen und ihr Fahrstil wurde daher für mich mehr oder weniger ungefährlich (ehrlich gesagt, eher weniger als mehr). Grundsätzlich gelten hier die gleichen Regeln wie bei uns, nur die Umsetzung ist ein bisschen anders und lockerer. Ich mache keine Dummheiten mehr  wie bei meiner ersten Reise nach Italien im Jahre 1993, als ich – für die einheimischen Fahrer absolut unverständlich – bei Rot an der Ampel angehalten habe, obwohl kein Auto in Sicht war. Es schockiert mich nicht mehr, dass ein Italiener im Stande ist, den ganze Verkehr in einer Stadt lahmzulegen, nur weil er gerade einen guten Bekannten auf dem Gehsteig gesehen hat und mit ihm natürlich ein paar Worte wechseln musste. (Auch der Sinn des Begriffs „ein paar Worte“ hat in Italien eine deutlich andere Bedeutung als bei uns) Noch immer kann es mich aber ein bisschen nervös machen, wenn mich ein Auto von rechts über den Gehsteig überholt, weil nach der Meinung des Fahrers meine fünfzig Stundenkilometer verdammt wenig sind. Einen stillen Protest habe ich im  Tunnel geäußert, in dem die Höchstgeschwindigkeit 70km/Stunde war. Ich fuhr 90 (ich bin nicht lebensmüde um mich bei 70 km/St von hinten anfahren zu lassen) und wurde trotzdem über die Doppelsperrlinie von Italienern überholt und noch dazu in einer – meiner Meinung nach  – ziemlich unübersichtlichen Kurve. Aber das alles gehört zum lokalen Kolorit und es ist gut so.

Turin erreichten wir also problemlos und, nachdem ich meine Frau bei dem Hotel Boston abgesetzt hatte, fuhr ich ein Parkhaus zu suchen. Das war allerdings nicht ganz einfach. Die Beschriftung hat gefehlt und mein GPS hat mich vergeblich informiert, dass ich mein Ziel gerade erreicht hätte, ich sah es einfach nicht. Letztendlich habe ich auf der Straße eingeparkt und bin zu Fuß gegangen, um die Einfahrt in das Parkhaus zu suchen. Ich entdeckte sie, es war aber eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, unterwegs im Auto einfach nicht zu schaffen. So gut war die Parkhauseinfahrt geheim gehalten.

Meine Erwartungen bezüglich der nördlichsten italienischen Metropole waren bescheiden. Turin hat den Ruf einer Industriestadt, ich erwartete also nicht allzuviele historische Denkmäler, also war ich ziemlich skeptisch. Umso angenehmer war die Überraschung, die mir diese Stadt am Fluss Po bereitete. Turin war einmal ein gallisches Ort, der im Jahre 218 vor Christus von Hannibal zerstört wurde, als er in Italien über den St-Bernhardpass eingefallen war und das Glück nicht glauben  konnte, dass er den Übergang überlebt hatte. Turin befindet sich nämlich direkt an einer Kreuzung der zwei wichtigsten Straßen nach Frankreich über Monte Geneva und über die beiden St.Bernard Pässe. Von hier aus konnte man sich  bereits bequem auf dem Fluss Po befördern lassen. Also, strategisch gesehen, hat die Stadt immer eine sehr vorteilhafte Lage gehabt.

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Im Jahr 28 vor Christus entstand also gerade hier eine römische Kolonie, die später den Namen Augusta Taurinorum erhielt und es ist interessant, dass der Grundriss der römischen Stadt mit ihren senkrecht gekreuzten Straßen bis heute erhalten geblieben ist. Es blieben auch die Mauerreste aus dieser Zeit mit der erhaltenen Porta Palatina, sowie auch Reste eines römischen Theaters. An der ehemaligen Porta Pretoriana zeigten Italiener ihre übliche Kreativität. Dieses ehemalige römische Tor bauten sie zuerst zu einer mittelalterlichen Festung um – Castello. Später folgte ein Umbau im Stil der Renaissance und weil ihnen das Ergebnis noch immer nicht wirklich gefallen hat, ergänzten sie dieses Hybrid noch mit einer barocken Fassade. Das Ergebnis dieser chaotischen Kreativität ist einfach unglaublich, dieses Gebäude beherrscht den größten Platz von Turin – Piazza di Castello.

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Die Menschen von Turin und eigentlich vom gesamten Piemont zeigten sich in der Vergangenheit als sehr erfinderisch. Die Entdeckungen, die in Zusammenhang mit Piemont gebracht werden könnten, begleiten uns in unserem Leben auf jedem Schritt und Tritt – zum  Beispiel entstand hier die Tafel – und später auch die Nussschokolade, der Kaffee Lavazza, Martini, Cinzano, Tic Tac und viele weitere Köstlichkeiten. Natürlich auch Nutella, die darf man nicht vergessen. Um die Stadt Alba gibt es aus diesem Grund riesige Nussplantagen. Piemont ist auch stolz auf seinen guten Wein. Das Flaggschiff ist natürlich der berühmte Barollo, ich persönlich präferiere Barberra, besonders Barberra d´ Alba. Er ist weniger intensiv aber sehr angenehm und auch erschwinglicher. Wir wollten einen Martini direkt auf dem Tatort im Cafe Torino auf Piazza San Carlo kosten, als wir aber erfuhren, dass ein Glas hier acht Euro kostete, genossen wir es in einer anderen Bar für 2 Euro.

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Kreativ war auch der Koch im Restaurant Mago Rabin im Corso s´ Mauricio, wohin wir essen gegangen sind. Als er erschien, um uns zu begrüßen, war er gleich suspekt. Er sah wie ein Künstler aus, der seine Inspiration in unerlaubten Mitteln suchte. Am diesen Abend rauchte er wahrscheinlich um ein Joint mehr als üblich.               Wir hatten ein Menü mit vier Gängen bestellt, bekamen aber siebzehn Gänge!!!  Unserer Künstler vermittelte den Ausländern eine Übersicht über die ganze piemontische Küche. Eigentlich keine ganz schlechte Idee und jeder Gang war ein kulinarisches Erlebnis. Das Problem lag darin, dass sich manche Gänge miteinander nicht gut vertrugen und sich für eine kämpferische Konfrontation entschieden. Ohne Rücksicht, dass das Schlachtfeld mein Magen war. In jedem Fall musste ich den ganzen kommenden Tag nichts essen, eigentlich konnte ich überhaupt nicht – weil bereits bei einem  Blick auf das Essen ich mit Übelkeit zu kämpfen hatte.  Damit haben wir eigentlich viel Geld gespart. Piemont ist ein etwas anderes Italien. So anders, dass Napoleon, als er im Jahre 1796 ins Land einmarschierte, die Österreicher vertrieb und aus den italienischen Provinzen eine Cisalpinische Republik gründete, Piemont direkt an Frankreich anschoß. In seinen Augen war die einheimische Bevölkerung Franzosen, die Französisch nicht richtig gelernt hatten (was übrigens auch sein Problem war). Er lag nicht ganz falsch. Diese Tatsache hat besonders mein Magen zu spüren bekommen, weil die Mehrheit der konsumierten Gänge eher zu französischer als zu italienischer Küche gehörte. Torino, wie der italienische Name der Stadt ist, sagt man auf piemontesisch Türin. Herzöge von Savoy, von ihrem Ursprung her Franzosen aus der Region unterhalb des Mont Blanc, die in Piemont seit dem elften Jahrhundert geherrscht hatten und im dreizehnten Jahrhundert dann den örtlichen Bischof in der Verwaltung der Stadt ablösten, verlegten im Jahr 1563 ihre Hauptstadt aus dem französischen Chambéry nach Turin.

Napoleon ist hier noch immer sehr populär. Diese Tatsache habe ich nicht ganz verstanden, er war doch ein Aggressor, Diktator und weiters – ganz einfach, ich mag ihn nicht. Wie ich allerdings im „Museo di Risorgimento“ also im Museum der Vereinigung Italiens erfuhr, wird er für einen Menschen gehalten, der nach Italien die Meinungsfreiheit und die demokratischen Ideen brachte und damit den Prozess der Vereinigung Italiens startete, der seinen Höhepunkt im Jahr 1861 gerade in Turin fand.

Es regnete und regnete. In Turin ist das allerding keine wirkliche Tragödie. Erstens gibt es hier die U-Bahn, wo es ähnlich wie in Kopenhagen keinen Zugsführer gibt und so kann man ganz vorne sitzen und die Gleise zu beobachten. Aber beinahe die ganze Stadt ist mit Arkaden ausgestattet, also kann man im Trockenem bleiben, auch wenn viel Wasser vom Himmel fällt. Natürlich sind dort überall Butiquen und Markengeschäfte, was mich nicht wirklich interessiert hätte, bis ich mich meiner Frau angeschlossen habe und begann – was glauben Sie, aber natürlich –  das „capellino“ suchen. In diesem Moment habe ich endlich realisiert, dass dieser Ausflug problematisch werden könnte.

Ich beschäftigte mich mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der königliche Palast und Palazzo Madamme passten nicht mehr in meinen Zeitplan und die berühmte savoyische Rüstungskammer habe ich einfach nicht gefunden, sie ist wahrscheinlich nur für die Einheimische auffindbar und für sie bestimmt, oder man muss einen bezahlten Stadtführer dafür buchen. Das legendäre Leintuch von Turin befindet sich in Duomo di San Giovanni unmittelbar neben dem königlichen Palast.

(Die Ausstellung zu diesem Thema ist aber in einer prächtigen königlichen Barockkapelle San  Lorenzo untergebracht, ebenfalls beim königlichen Palast, aber an der Seite der Piazza di Castello). Ob in ihm wirklich Christus eingewickelt war, ist unter den Wissenschaftlern bis heute umstritten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieses Leintuch aus der Beute der Kreuzritter des vierten Kreuzzugs stammt, als die Kreuzritter im Jahr 1204 Konstantinopel eroberten und die Blutspuren der Blutgruppe AB entsprechen genau den Verletzungen, die ein Mensch bei der Kreuzigung mit einer Dornkrone auf dem Kopf und einem tödlichen Stich in die Herzgegend erleiden musste. Die Carbonanalyse datiert allerdings das Alter des Leintuches in das dreizehnten Jahrhundert, also handelte sich möglicherweise doch um eine Fälschung. (Die Byzantiner waren in der Fälschung der heiligen Reliquien wahre Meister). Das Tuch befindet sich in der Kirche San Giovanni in einer Seitenkapelle. Es ist eigentlich sehr angenehm, sich hier niederzusetzen und zu erholen, während es draußen regnet und regnet. Der Text, der bei dem Tuch zu lesen ist, löst den Widerspruch auf die salomonische Art – nach dem Text ist das Tuch ein Symbol des Leidens Christi. Also warum nicht? Ich mochte dieses Ort.

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Turin besitzt(das behaupten die Italiener selbst, es wäre diese Behauptung unbedingt zu überprüfen) das nach Kairo zweitgrößte ägyptologische Museum der Welt, „Museo egizio“. Warum eine so großartige Ausstellung gerade in Turin ihren Sitz gefunden hat, hat natürlich einen Grund. Ein bestimmter Piemonteser namens Bernardino Drovetti fühlte sich nach der Annexion von Piemont durch Napoleon als echter Franzose und folgte Bonaparte bei seinem Feldzug nach Ägypten. Als dies mit einer Katastrophe geendet hatte, dachte er, doch kein echter Franzose zu sein und blieb als Konsul in Ägypten. Er war für alle, für die Franzosen, für die siegreichen Engländer aber auch für die Ägypter akzeptabel. Gerade Napoleon weckte durch seinen Feldzug Interesse an der Kunst des alten Ägypten, bei seiner Reise wurde er von Wissenschaftlern und Künstlern begleitet, dank seines Feldzuges wurde die Tafel von Rosetta gefunden, die es Jean Francios Champolion ermöglichte, die ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern. Drovetti blieb also in Ägypten und setzte fort, was sein General begonnen hatte – er sammelte Papyri, Statuen, Reliefs, die aus dem ägyptischen Sand auftauchten. Als er dann nach Hause kam, landete seine Sammlung im Louvre. Drovetti fühlte sich aber nicht mehr als echter Franzose und Piemont wurde nach dem Wiener Kongress zum unabhängigen Königsreich von Sardinien. Drovetti wollte nicht für einen französischen Patrioten gehalten werden, der seine Kostbarkeiten uneigennützig  verschenkt. Er hat sich entschieden, seine in Louvre platzierte Sammlung zu verkaufen und der König von Sardinien, Karl Felix, bot einfach mehr als der französische König. Danach konnte man den Transfer der Samsung aus Paris nach Turin im Jahr 1824 nicht mehr verhindern. Die Sammlung ist wirklich sehenswert. Es gibt Papyri in der Größe einer ganzen Mauer, vom Buch der Lebenden, also dem Buch der ägyptischen Medizin, bis zu einem erotischen Papyrus, der bereits vor vier tausend Jahren die Geheimnisse der Liebe erklärte. Es fehlt auch eine „beauty box“ nicht, eine Kosmetiktasche einer Ägypterin aus der Zeit des Neues Reiches. Also Damen (aber auch Herren), es ist viel zu bestaunen.

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Das Symbol von Turin ist aber die Mole Antonelianna, ein Gebäude, dessen Turm auf der italienischen Zweizentmünze dargestellt ist. Ursprünglich handelte sich um eine Synagoge, aber noch vor ihrer Fertigstellung übersiedelte die Hauptstadt Italiens zuerst im Jahre 1866 nach Florenz und dann 1870 nach Rom. Deshalb fehlte für die Fertigstellung das Geld. Heute gibt es dort ein Museum der Kinematographie – italienische Filmateliers befinden sich in Turin!

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Eine wirklich interessante Ausstellung zeigt die Geschichte der Kinematographie, von der Laterna magica über die ersten beweglichen Bilder und Kurzfilme aus dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis zu modernen Werken. Es gibt sehr viele interessante Dinge, wie zum Beispiel das Korsett von Marilyn Monroe, das ahnen lässt, dass an dem Mädchen wirklich einiges zu betrachten war und John Kennedy genug zum Angreifen hatte.

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Im Museum fährt ein im freiem Raum hängender Lift auf die Turmspitze, die Voraussetzung für ihre Nutzung ist allerdings Schwindelfreiheit. Bei schlechtem Wetter, als die Turmspitze in den Wolken ertrank, war die Sicht reich Null. Also verzichtete ich auf diese Attraktion. Italiener können aber ihre Museen wirklich bauen, darüber sollte ich mich einen Tag später überzeugen.

Im Jahr 1899 gründeten acht lokale Unternehmer, unter ihnen auch Giovanni Angelli, in einem Vorort von Turin namens Lingoto „Fabrica italiana l´automobile di Torino“. So entstand der berühmte FIAT, heutzutage einer der größten Autokonzerne der Welt. (Auf deutsch wird der Name als „Fehlerhaft in allen Teilen“ interpretiert, die Amerikaner nennen ihn wieder „Fix it alone, Toni“) Allerdings besteht Fiat in der Konkurrenz der Weltmarken bis heute ganz gut und das in der Zeit, in der alle anderen italienischen Marken (Lancia, auch aus Turin, Alfa Romeo, Lamborgini usw.) seit langer Zeit ausländischen Firmen gehören. In der gigantischen Produktionshalle in Lingotto ist heute eine Kongresshalle, in der das Seminar stattgefunden hat, das meine Frau besuchte, ein Geschäft der Nahrungsmittel „Slow food“ (das ist auch eine piemontesische Erfindung als Antwort der Gourmanen auf Fast food Ketten), ein Hotel, eine Galerie usw. usw. – Die Italiener reißen nämlich sehr ungern etwas, was bereits steht, nieder.

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Unweit von der ehemaligen Halle gibt es dann das „Museo nacionale de automobili“, also das nationale Automobilmuseum. Ich bin zwar kein unkritischer Fan der Autoindustrie und das Auto ist für mich in erster Linie ein Mittel zum Transfer vom Punkt A zum Punkt B, aber dieses Museum  hat alle meine Erwartungen hoch übertroffen. Nicht nur, dass sich hier eine Ausstellung der Modelle aus dem Ende des neunzehnten Jahrhundert, aber auch das Auto Italia befindet, mit dem im Jahr 1912 eine Reise nach Shanghai unternommen wurde. Also in der Zeit, in der es dort noch keine Tankstellen gab, weil in vielen Ländern, die die Reisenden überqueren mussten, die Einheimischen von einem Auto noch nie gehört hatten.

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Es wird auch die Entwicklung der Autos in den Zwanzigerjahren zu den ersten Luxusmodellen der Dreißigerjahre.  Gezeigte Filme erklären den Unterschied der Produktionphilosophie nach dem zweiten Weltkrieg in Amerika und in Europa und deren spätere Annäherung, stellen unterschiedlichste Kuriositäten dar, die sich letztendlich nicht durchgesetzt haben. Natürlich darf auch eine Ausstellung der Rennautos beginnend mit dem Jahr 1914 bis zu den heutigen Boliden der Formel eins nicht fehlen. Selbstverständlich findet man hier den legendären Fiat 500 und 600 und eine Menge Ferrari. Außerdem ist hier die Entwicklung der Motoren seit dem Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts dargestellt, (Inklusiv z.B. Modell Laurint und Klement aus dem Jahr 1909) und die Entwicklung der Reifen vom Holzrad bis zu den heutigen Reifen der Formel I. Ich hatte wirklich ein Problem, das Museum nach vierstündigem Besuch zu verlassen, jemand, der ein echter Autofan ist, sollte wahrscheinlich einen Schlafsack mitnehmen, um irgendwo geheim zu übernachten.

Also Museen können die Italiener wirklich errichten. Turin war ein Erlebnis, das ich sicher und mit gutem Gewissen empfehlen kann.

Ach so, wie ist es mit dem „capellino“, als dem Hauptgrund unseres Besuches, ausgegangen? Wir besuchten in Turin eine Menge Geschäfte und ein Kaufhaus. Der Verlauf war immer gleich. Zuerst eine riesige Begeisterung über das vielfältiges Angebot mit einer Behauptung, hier werden wir sicher etwas finden und kaufen. Taktisch war dieses Versprechen richtig, dank dessen habe ich nicht gleich die Flucht ergriffen. Dann aber hatte ein Hütchen keine Schnur unter dem Kinn, das nächste hatte zwar eine, die war aber zu lang. Das nächste hatte die richtige Schnur, war aber viel zu teuer und das mit den Figuren von Disney kauften wir natürlich auch nicht. Letztendlich beschloss meine Frau, dass man in Turin ein Hütchen nicht kaufen kůnne, weil das Weltzentrum der Mode doch Mailand sei. Dort wird es sicher eine viel bessere Auswahl geben. Und so reisten wir weiter nach Mailand. Aber darüber wieder andersmal.